Forderung des Kolpingwerkes: Rückkehr zur Schwangeren-Beratung nach § 219 StGB

Sehr geehrter Herr Kempa, der Aktionskreis Fulda in der Aktion Leben hat mit Bestürzung aus  „Die Tagespost" vom 23.10.2016 Kenntnis davon erhalten, dass das Kolpingwerk auf seiner Bundesversammlung am Wochenende 22./23. Oktober 2016 in Köln die Deutsche Bischofskonferenz zur Rückkehr in das Beratungssystem des § 219 StGB aufgefordert hat.

Der § 219 Abs. 2 beinhaltet die Verbindlichkeit der Beratungsstelle, einen sogenannten Beratungsschein auszustellen. Die Praxis beweist, dass dieser auch dann auszustellen ist,

wenn die Beratene sich weigert, überhaupt auch nur ein Wort zur Beratung beizutragen.

Wird  bei einer Tötung des ungeborenen Kindes durch Abtreibung  dieser vorerwähnte Beratungsschein vorgelegt, dann bewirkt dies die Straflosigkeit sowohl des Kindestöters (Arzt) als auch der Schwangeren.

Diese seltsame Straflosigkeit einer bewussten ´Tötung eines Menschen gilt nur im weltlichen Bereich.

Dem Kolpingwerk sollte eigentlich die Auffassung der katholischen Kirche bekannt sein, die

z.B. in Gaudium et Spes 51 „Abtreibung und Tötung des Kindes sind verabscheuungs-würdige  Verbrechen" nennt.

 

Das Kirchenrecht von 1983 stellt lapidar fest:" Wer eine Abtreibung vornimmt, zieht sich mit  erfolgter Ausführung die Tatstrafe der Exkommunikation zu".

 

Der Katechismus der katholischen Kirche (KKK 2270) setzt die Reihe der eindeutigen Aussagen fort und fasst sie unter Berufung auf das II. Vatikanische Konzil und den Codex Juris Canonici zusammen: „Das menschliche Leben ist vom Augenblick der Empfängnis an absolut zu achten und zu schützen. Schon im ersten Augenblick seines Daseins sind dem menschlichen Wesen die Rechte der Person zuzuerkennen, darunter  das unverletzliche Recht jedes unschuldigen Wesens auf das Leben"

 

Der vorhergehende Abschnitt des KKK trägt die bezeichnende Überschrift „Mord".  Dort heisst  es  in 2269  „... dass die Weigerung, einem Menschen in Lebensgefahr zur Hilfe zu kommen", sittlich verwerflich ist.

 Die Ausstellung des Beratungsscheines hilft nie dem sich in Lebensgefahr befindenden Kind, im Gegenteil, sie steigert diese Lebensgefahr.

Aus all dem oben Gesagten ergibt sich, dass ein Katholik niemals einen sogenannten Beratungsschein, wie das Kolpingwerk ihn fordert, ausstellen und unterschreiben darf.

Da wir in unserem Aktionskreis Fulda auch viele Kolpingmitglieder haben, bitten wir Sie dringend um Auskunft, ob der Diözesanverband Fulda an der Bundesversammlung teilgenommen hat und wie deren Abstimmungsverhalten war. Auch wäre es für unsere Mitglieder wichtig zu wissen, wie die Einstellung des Diözesanverbandes Fulda zu dieser Frage ist. Für eine baldige Mitteilung wären wie Ihnen dankbar.

Wir erlauben uns, Kopie dieses Schreibens auch an HH Bischof Algermissen in Fulda zu übersenden mit der Bitte um Mitteilung, welche Konsequenzen sich aus dem Ansinnen des Kolpingwerkes in seiner Diözese ergeben.

Otto Spahn, Pressesprecher