Zum Tode verurteilt

Kürzlich hat der Europäische Gerichtshof eine sechsfache Mutter zur Sterilität verdammt. Außerdem soll die Mutter ihre sechs Kinder niemals zu Gesicht bekommen.

Die unfruchtbare Britin Natallie Evans (34) ist bereits sechsfache Mutter. Doch ihre Kinderschar liegt auf Eis.

Im Jahr 2000 verlor die Klägerin wegen einer Krebserkrankung beide Eierstöcke. Vor der Operation ließ sie Eizellen entnehmen und mit dem Samen ihres damaligen Konkubinatspartners im Reagenzglas befruchten.

Doch im Jahr 2002 fiel die wilde Ehe der beiden auseinander. Danach verlangte der Kindsvater die Tötung seiner sechs tiefgefrorenen Kinder.

Die Mutter klagte gegen diese Entscheidung erfolglos durch alle britischen Instanzen.

Nach englischem Recht darf die Mutter die Kleinstkinder nicht ohne Zustimmung des Vaters austragen. Darum ordnete das Gericht an, daß die tiefgefrorenen Babies vernichtet werden müssen.

Mutter Evans zog deshalb vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Sie protestierte gegen die in ihrer Heimat erforderliche Genehmigung beider Elternteile zur Einpflanzung tiefgefrorener Babies.

Dadurch werde ihr Recht auf Privat- und Familienleben sowie das Lebensrecht der Kleinstkinder verletzt. Die englische Rechtslage nehme ihr die einzige Möglichkeit auf ein leibliches Kind.

Doch der Gerichtshof wies die Klage am Dienstag mit fünf zu zwei Stimmen ab.

Die Richter erklärten, daß es unter den europäischen Staaten keinen Konsens über den Beginn des menschlichen Lebens gebe. Daher müsse das Recht des jeweiligen Staates gelten. In Großbritannien könne ein tiefgefrorenes Kleinstkind keine eigenständigen Rechte geltend machen.

Das Gericht erklärte, „Mitgefühle“ für das Anliegen der Mutter zu verspüren. Es sei den Richtern wohl bewußt, daß Frau Evans wegen der Entfernung der Eierstöcke keine andere Chance habe, leibliche Mutter zu werden.

Dennoch könne der Kindsvater nicht gezwungen werden – so das Argument der Richter – „Vater zu werden“.

Gegen das Urteil ist eine Berufung vor der Großen Kammer des Gerichtshofs für Menschenrechte möglich.

Die Richter wiesen die britischen Behörden an, die sechs Babies solange am Leben zu erhalten, bis ein rechtskräftiges Urteil gesprochen ist.

kreuz.net, Straßburg 08.03.2006