Kommentar zur Woche für das Leben 2006

Kommentar zur Woche für das Leben 2006:„Von Anfang an uns anvertraut -Menschsein beginnt vor der Geburt"

Seichter konnte man das Motto für die „Woche für das Leben" (29. April bis 6. Mai 2006) offensichtlich nicht wählen. Was heißt „Mensch von Anfang an" in einer Zeit, in der sich jeder nach seinem Gutdünken den Lebensbeginn selbst bastelt („für mich beginnt das menschliche Leben, wenn ...").

Trauriger Beweis, daß sich mit einem solchen Motto jederman identifizieren kann, sind die Veranstaltungen der „Woche für das Leben" im Bistum Fulda. Nicht nur die Zusammenarbeit mit der „Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck" - die zum Thema Tötung durch Abtreibung eine „differenziertere" Haltung als die Katholische Kirche vertritt - ist problematisch, sondern bei dieser ansich lobenswerten Initiative hat man in diesem Jahr ganz offiziell auch „Pro-Familia" mit ins Boot genommen. In Kirchen des Bistums liegen Programmhefte aus, in denen Veranstaltungen der „Pro Familia"-Beratungstelle Kassel - noch weit über den offiziellen Zeitraum (bis 17.10.06) hinaus - ganz offiziell angeboten werden. Die sexuelle Lust entdecken sollen nicht nur „Paare nach der Geburt von Kindern" oder „Menschen mit geistiger Behinderung", sondern auch Kinder in Kindergarten und Schule mit „Ausdrucksformen kindlicher Sexualität", sowie auch Jugendliche im „Internet und Chat". Eine solche „Zusammenarbeit" zeigt doch mehr als deutlich, wie es auf diesem Gebiet mit der Weitergabe genuin katholischer Positionen bestellt ist. Sollte den Verantwortlichen im Fuldaer Ordinariat und bei den mitveranstaltenden „katholischen" Organisationen von Caritas und Sozialdienst katholischer Frauen entgangen sein, mit wem und auf was sie sich da eingelassen haben? Man sollte glauben, daß nach Bekanntwerden dieses Skandals Konsequenzen unabdingbar geworden wären. Fest steht - bis zum jetzigen Zeitpunkt am sechsten Tag der Initiative - daß die Verantwortlichen sich jedenfalls öffentlich nicht distanziert, nicht ihren Fehler öffentlich eingestanden und das ganze Spektakel nicht abgesagt haben. Es ist auch öffentlich nicht einmal bekannt geworden, ob die Prospektauslagen in katholischen Kirchen eingezogen worden sind. Alles in allem ein Skandal, der deutlich macht, daß die kleinste Inkonsequenz, seichte, unverbindliche und interpretierbare Aussagen nicht dazu beitragen, eine „Kultur des Lebens" zu schaffen, sondern kontraproduktiv die „Unkultur des Todes" fördern.

Walter Ramm, AKTION LEBEN e.V. (04. Mai 2006)