Unsere Schuld ist ersichtlich

Das Bistum Fulda hat nach heftigem öffentlichen Druck erklärt, daß die Kooperation mit einem berüchtigten Abtreibungsunternehmen ein „eklatanter Fehler“ war. Erleichterung in der katholischen Welt.

Das Bistum Fulda distanzierte sich gestern von seiner Zusammenarbeit mit dem berüchtigten Abtreibungsnetzwerk ‘Pro Familia’. Das berichtete die ‘Fuldaer Zeitung’ heute Samstag.

Der Anlaß für die Distanzierung: Das ökumenische Programmheft des Bistums Fulda und der Protestanten von Kurhessen-Waldeck für die vom 29. April bis 6. Mai in ganz Deutschland stattfindende ‘Woche für das Leben’ bewarb auch mehrere Veranstaltungen von ‘Pro Familia’.

‘Pro Familia’ ist Gründungsmitglied und aktiver Mitarbeiter im internationalen Abtreibungs-Netzwerk ‘Planned Parenthood’.

Pro Familia stehe für Abtreibung, anerkannte das Bistum nach gehörigem Druck aus den Medien: „Diesen eklatanten Fehler bedauern wir zutiefst. Wir distanzieren uns ausdrücklich von den Veranstaltungen und der Organisation ‘Pro Familia’.“

Das Bistum übt auch Selbstkritik: „Unsere Schuld daran ist ersichtlich. Wir tragen Mitverantwortung. Schließlich haben wir das Programmheft mit unterschrieben.“

„Die ökumenische Woche dient dem Lebensschutz und dem ungeborenen Leben. Dieses Anliegen hat Pro Familia nicht. Deshalb paßt Pro Familia nicht in das Bild.“

Der Einsatz des Bistums zum Schutz der ungeborenen Kinder sei unbestritten und werde in bewährter Weise fortgeführt, erklärt das Bistum.

Dagegen verteidigen die Protestanten die umstrittene Zusammenarbeit mit den Abtreibern: „Wir setzen ‘Pro Familia’ nicht mit Abtreibung gleich“, distanzierte sich die Sprecherin der evangelischen Gemeinschaft Kurhessen-Waldeck vom Schuldbekenntnis des Bistums Fulda:

„Die Organisation ist eine wichtige Instanz für Schwangerschaftskonfliktberatung und hat in Kassel eine andere Stellung.“

Für die Evangelischen ist es „kein Problem“, daß das Abtreibungsunternehmen im Programmheft der ‘Woche für das Leben’ auftaucht.

Ein Gläubiger aus dem Bistum Fulda bezeichnete die Erklärung der Protestanten als „bedrückend“ und als „völligen Realitätsverlust“: „Das kann nur einen weiteren Rückschritt im vielseits beschworenen ökumenischen Dialog bedeuten.“

Die Sprecherin der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck irre ganz gewaltig, wenn sie meine, daß man ‘Pro Familia’ nicht mit Abtreibung gleichsetzen müsse und daß diese Organisation in Kassel „eine andere Stellung“ habe.

Es gehe nicht um Meinung, sondern um Sachkenntnis: „Fakt ist, daß ‘Pro Familia’ im Kasseler Beratungszentrum ein sogenanntes Medizinisches Institut unterhält, in dem Abtreibungen durchgeführt werden.“

Es wäre zu überlegen, ob die Lebensrechtsorganisationen in Deutschland bei der Evangelischen Gemeinschaft von Kurhessen-Waldeck nicht offiziell Protest einreichen – rät der Gläubige in seiner Stellungnahme:

„Denn ein gewisses Grundethos in puncto Lebensrecht darf man auch von liberalen Protestanten noch erwarten.“

kreuz.net (Fulda) 06.05.2006