Verkappter Kannibalismus

Der Bischof von Augsburg äußerte sich kürzlich über den Zwiespalt der deutschen Bischofskonferenz in der Frage der Lebensberechtigung für ungeborene Menschen.

 Am vergangenen Freitag referierte Bischof Walter Mixa von Augsburg bei einer Tagung der ‘Juristenvereinigung Lebensrecht’ in Köln zum Thema ‘Kirche und Lebensrecht – Kirche und Lebensrechtsorganisationen’. Dies berichtete die protestantische Nachrichtenagentur ‘idea’.

In seinem Vortrag bezeichnete Bischof Mixa das sogenannte therapeutische Klonen als „verkappten Kannibalismus“.

Bei dem in Deutschland noch verbotenen Eliminierungsverfahren wird zuerst der genetische Zwilling eines Kranken im Reagenzglas produziert. Bereits in den ersten Lebenstagen wird der Zwilling aufgeschnitten, um an seine Zellen heranzukommen. Diese werden schließlich zur medizinischen Behandlung seines größeren Zwillingsbruders eingesetzt.

Bischof Mixa erklärte, daß Heilung oder Lebensverlängerung bei einem Menschen nie durch die Tötung eines anderen Menschen angestrebt werden dürften.

Es erzürne ihn, wenn in der Gesellschaft über den Werteverlust gejammert werde, aber niemand genau sage, welche Werte verlorengegangen seien.

Der Bischof wandte sich auch an die Politiker. Er fragte sie, was sie dagegen zu tun gedächten, daß im reichen Deutschland jeden Tag 600 Menschen im Mutterleib getötet werden.

Daß der Freistaat Bayern katholischen Beratungsstellen finanzielle Zuschüsse verweigert – weil sie ratsuchenden schwangeren Müttern keine Abtreibungslizenzen ausstellen –, bezeichnete der Bischof als Unrecht.

Sachsen übernehme 35 Prozent und Baden-Württemberg sogar 50 Prozent der Kosten für katholische Beratungsstellen: „Nur im katholischen Bayern geht das nicht.“

Dagegen finanziere der Freistaat Bayern rund 95 Prozent der Kosten der Stiftung ‘Donum Vitae’.

Bischof Mixa wünschte sich in seinem Vortrag von den Deutschen Bischöfen mehr Unterstützung für die Lebensrechtsbewegung. Bei der jüngsten Vollversammlung der Bischofskonferenz habe er vergebens einen Weihbischof für die Betreuung von Lebensschutzgruppen beantragt.

Die Mehrheit der Bischöfe hätten das Ansuchen abgelehnt, weil die Position der Katholischen Kirche in Lebensrechtsfragen sowieso klar sei. Ein Beauftragter sei deshalb nicht nötig.

Der Professor für Sozialwissenschaft an der Universität Osnabrück, Dr. Manfred Spieker, verwies bei derselben Veranstaltung auf den Lebensschutz in den Vereinigten Staaten.

Dort sei die Lebensrechtsbewegung innerhalb der Katholischen Kirche entstanden. In den 80er Jahren seien protestantische Gruppierungen dazugestoßen.

Im Unterschied zu Deutschland würden US-Bischöfe an Lebensrechtsdemonstrationen teilnehmen und es gebe eine öffentliche Diskussion, Abtreibungspropagandisten die Heilige Kommunion zu verweigern.

Professor Spieker lobte auch die US-Kirche, die umfangreiches Material zur seelsorgerlichen Begleitung abtreibungsgeschändeter Mütter bereitstellt.

kreuz.net 08.05.2006