Eine gute Zusammenarbeit

Das Bistum Fulda hat sich kürzlich von der Abtreibungsorganisation ‘Pro Familia’ distanziert. Doch dieser Schritt entspricht nicht der Alltagspraxis der diözesanen Beratungsdienste.

Vor einigen Wochen sorgte die Beratungs- und Abtreibungsorganisation ‘Pro Familia’ im Bistum Fulda für Schlagzeilen.

Die umstrittene Organisation hatte erstmals als Mitveranstalter an der ökumenischen ‘Woche für das Leben’ teilgenommen.

Erst nach massivem öffentlichem Druck distanzierte sich das Bistum Fulda von ‘Pro Familia’ und räumte einen „eklatanten Fehler“ ein.

Das Engagement der Diözese Fulda zum Schutz des ungeborenen Lebens sei unbestritten und werde in seiner bewährten Weise fortgeführt, erklärte Bistumssprecher Christoph Ohnesorge.

Nun hat die in Kassel erscheinende Tageszeitung ‘Hessisch-Niedersächsische Allgemeine’ (HNA) in ihrer Ausgabe vom 22. Mai 2006 brisante Fakten ans Tageslicht gehoben, die das Verhalten des Bistums zweifelhaft erscheinen lassen.

War die Einbindung von ‘Pro Familia’ wirklich nur ein „bedauerlicher Fehler“, der beim Korrekturlesen des Programmhefts übersehen wurde?

Wie Cornelia Krey von ‘Pro Familia’ in Kassel gegenüber der ‘Hessisch-Niedersächsische Allgemeinen’ betont, ist ‘Pro Familia’ von „Klientenseite“ gebeten worden, an der ‘Woche für das Leben’ teilzunehmen.

Offensichtlich hat die ökumenische Planungsgruppe den Abtreibungsverein ‘Pro Familia’ kontaktiert.

Damit erscheint es nicht besonders glaubhaft, wenn Bistumssprecher Ohnesorge jetzt behauptet, es sei nicht abgesprochen gewesen, daß ‘Pro Familia’ im Programmheft aufgetaucht sei und daß dies „übersehen“ worden sein müsse.

Auch der Sprecher der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Karl Waldeck, bestätigt gegenüber der ‘Hessisch-Niedersächsische Allgemeinen’, daß das Programm von der ökumenischen Vorbereitungsgruppe abgesprochen wurde.

Von einem „Fehler“ kann also offensichtlich keine Rede sein.

Der ‘Pro-Familia’-Landesverband Hessen hat diesen „Affront“ der katholischen Kirche zwar in einer Pressemitteilung bedauert.

Zugleich stellt Frau Krey von ‘Pro Familia’ in Kassel bezeichnenderweise fest, daß dies „für unsere Zusammenarbeit“ in Kassel „keine Konsequenzen“ haben werde.

Frau Krey wörtlich: „Wir sind mit den evangelischen Kollegen und dem ‘Sozialdienst katholischer Frauen’ (SkF) vernetzt. Da läuft die Zusammenarbeit gut.“

Der ‘Sozialdienst katholischer Frauen’ (SkF) ist ein Frauen- und Fachverband der Sozialen Arbeit im Deutschen Caritasverband innerhalb der katholischen Kirche.

Der Verein ist Fachverband der Kinder- und Jugendhilfe, der Gefährdetenhilfe und der Hilfe für Frauen und Familien in Not. Er setzt sich nach eigenen Angaben für Frauen ein, die benachteiligt sind und sich ausgegrenzt fühlen.

Außerdem bietet er Kindern und Jugendlichen, Frauen und Familien, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden, Beratung, Unterstützung und Hilfe an.

Der ‘Sozialdienst katholischer Frauen’ gliedert sich in Deutschland nach Ländern, Diözesen oder in überdiözesane Zusammenschlüsse.

Bis zum Jahr 2000 – in Fulda bis 1993 – war der ‘Sozialdienst’ mit der Vergabe von Beratungsscheinen im Rahmen der Schwangerenkonfliktberatung auch in die staatliche Abtreibungsgesetzgebung eingebunden.

Der von Rom verordnete Ausstieg wurde und wird insbesondere von der ‘Sozialdienst’-Bundesvorsitzenden, Maria Elisabeth Thoma, nach wie vor bedauert, wenn auch inzwischen zähneknirschend akzeptiert.

Daß es deshalb auf Ortsebene zu „Vernetzungen“ mit umstrittenen Beratungsorganisationen wie ‘Pro Familia’ kommt, kann niemanden verwundern.

Unglaubwürdig erscheint allerdings die Distanzierung der Fuldaer Diözesanleitung im Zusammenhang mit der ‘Woche für das Leben’.

Weis Bischof Heinz Josef Algermissen von der „guten Zusammenarbeit“ zwischen dem ‘Sozialdienst katholischer Frauen’ und ‘Pro Familia’ in Kassel wirklich nichts?

Seine Persönliche Referentin, Frau Dipl.-Theol. Anne Schmitz, war pikanterweise längere Zeit als SkF-Diözesanreferentin im Bistum Fulda tätig.

Was wird nun aus der ökumenischen ‘Woche für das Leben’ im kommenden Jahr?

Wie der Sprecher der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Karl Waldeck, gegenüber der ‘Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen’ bestätigte, hat es inzwischen „interne Gespräche“ der Kirchen zu dem Vorfall gegeben. Der Konflikt sei beigelegt.

Waldeck wörtlich: „Ich gehe davon aus, daß es die ökumenische Woche für das Leben 2007 in bewährter Form und zum Wohle der Familie wieder geben wird.“

01.06.2006 kreuz.net