‘Donum vitae’ freut sich über den Korb der Bischöfe

Gestern distanzierten sich die deutschen Bischöfe von der umstrittenen Mütterberatung ‘Donum vitae’. Ein abgekartetes Spiel?

Die Vorsitzende von ‘Donum vitae’, Rita Waschbüsch, hat „kein Problem“ damit, daß sich die deutschen Bischöfe von ihrem Verein distanziert haben.

Das erklärte die Vorsitzende vor der Tageszeitung ‘Kölner Stadt-Anzeiger’.
Frau Waschbüsch ist eine frühere Familienministerin des Saarlandes und ehemalige Präsidentin des ‘Zentralkomitees der deutschen Katholiken’ – des obersten katholischen Laiengremiums in Deutschland.
Die bischöfliche Distanzierung wurde gestern bekannt. Sie untersagt kirchlichen Mitarbeitern eine Tätigkeit bei der von der Kirche abgelehnten Schwangerenberatung ‘Donum vitae’.
Die bischöfliche Erklärung soll in den nächsten Tagen in den Amtsblättern der Bistümer veröffentlicht werden. Danach ist sie rechtskräftig.
Frau Waschbüsch begrüßte die Distanzierung.
Angesichts „ständiger Diffamierungen“ ihres Vereins durch eine „kleine Minderheit von »Lebensrechtlern«“ hätten die Bischöfe unterstrichen, worauf ‘Donum vitae’ selber Wert lege: daß der Verein außerhalb kirchenamtlicher Strukturen stehe.
„Wir nutzen auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes erfolgreich die in der verpflichtenden Beratung bei Schwangerschaftskonflikten liegenden Chancen zum Lebensschutz“ – so die Vorsitzende von ‘Donum vitae’.
Der Verein ist ideell und personell aus dem ‘Zentralkomitee der deutschen Katholiken’ hervorgegangen.
Seine Tätigkeit ist umstritten, weil die von ‘Donum vitae’ ausgestellten Beratungsbestätigungen in sehr vielen Fällen dazu benützt werden, um eine straffreie vorgeburtliche Kindertötung zu erhalten.
Das ‘Zentralkomitee der deutschen Katholiken’ vertrat auf Anfrage des ‘Kölner Stadt-Anzeigers’ ähnliche Positionen wie Frau Waschbüsch.
‘Donum vitae’ werde die päpstlichen und bischöflichen Regelungen respektieren und beanspruche nicht, im Namen der Kirche zu handeln.
Die Erklärung der deutschen Bischöfe erscheint auf Drängen der Glaubenskongregation und zu einem sehr späten Zeitpunkt.
Bereits im Juli 2003 hatte der damalige Präfekt der Glaubenskongregation von den deutschen Bischöfen eine „Klarstellung“ zu ‘Donum vitae’ verlangt.
Wenige Monate vor dem Papstbesuch in Bayern und vor den Ad-limina-Besuchen der deutschen Bischöfe im Herbst hat die Bischofskonferenz dieser Aufforderung drei Jahre später Rechnung getragen.
Der ‘Kölner Stadt-Anzeiger’ beurteilt die Entscheidung der Bischöfe als Versuch, einerseits dem Ansinnen des Vatikans zu folgen und andererseits „den Ball flach zu halten“.
Angesichts der in Deutschland häufigen Doppelrolle von ‘Donum vitae’ Mitarbeitern in kirchlichen Gremien und Ämtern stellt sich in kirchlichen Kreisen die Frage, ob die Bischöfe die herausgepreßte Erklärung auch in die Tat umsetzen wollen.
Bislang wurde nicht bekannt, ob und wie die Bischöfe bei einer Übertretung ihres jüngsten Beschlusses reagieren wollen. 

27.06.2006 kreuz.net