Vorgetäuschte Distanz?

Kürzlich haben sich die deutschen Bischöfe von der Schwangerenberatung ‘Donum vitae’ distanziert. Doch schon stellt sich die Frage, ob den bischöflichen Worten auch Taten folgen werden. Von Daniel Schneider.

Kürzlich distanzierten sich die deutschen Bischöfe von den Mitarbeitern des Beratungsdienstes für schwangere Mütter ‘Donum vitae’.

Der Verein ‘Donum vitae’ berät schwangere Mütter und stellt diesen auf Wunsch auch eine Beratungsbestätigung aus, die in Deutschland für die Durchführung einer legalen Kinderabtreibung notwendig ist.

Wegen dieser Verwicklung in das deutsche Abtreibungssystem erklärte der damalige Nuntius in Deutschland schon im November 2000, daß der Verein ‘Donum vitae’ das Zeugnis der Kirche für das ungeborene Leben verdunkle.

Jetzt – fast sechs Jahre später – fordern die deutschen Bischöfe, daß diejenigen, die in kirchlichen Räten und Mitwirkungsgremien sowie in kirchlichen Verbänden und Organisationen Verantwortung übernehmen, zumindest „auf eine leitende Mitarbeit“ bei ‘Donum vitae’ verzichten sollten.

Im Bistum Fulda führt diese Bestimmung zu einem Konfliktfall.

So ist Frau Dipl.-Theol. Margit Hartmann aus Petersberg bei Fulda die hessische Landesvorsitzende von ‘Donum vitae’ und zugleich Mitglied des Fuldaer Domchores, ohne daß dies bislang zu kritischen Rückfragen geführt hätte.

Frau Hartmann wurde unter Verantwortung des seinerzeitigen Domdechanten, Weihbischof Johannes Kapp, als Mitglied in den Domchor aufgenommen, obwohl der Weihbischof genau um ihre leitende Funktion bei ‘Donum vitae’ gewußt haben mußte.

Der Domchor ist gewissermaßen ein repräsentatives Aushängeschild der Diözese, der nicht zuletzt an der Gestaltung der Pontifikalämter aktiv mitwirkt.

Außerdem ist Frau Hartmann Mitglied des sogenannten ‘Fuldaer Kreises für eine offene Kirche’.

Kritische Stellungnahmen der kirchenfernen Initiative zur Erklärung ‘Dominus Jesus’ sowie zum Ausstieg der Kirche aus der Schwangerschaftskonfliktberatung tragen ihre Unterschrift und weisen sie als Mitglied des sogenannten ‘Diözesanteams’ – des Vorstandes des ‘Fuldaer Kreises’ – aus.

Auch das beherzte Eintreten des Bischofs von Fulda, Mons. Heinz Josef Algermissen, für den Schutz des ungeborenen Lebens und gegen die Euthanasie – so zum Beispiel bei der Eröffnungspredigt zum Kongreß „Freude am Glauben“ – erscheint in einem merkwürdigen Widerspruch zu Meldungen, wonach es im Bistum Fulda eine „gute Zusammenarbeit“ und „Vernetzung“ zwischen dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und der Beratungs- und Abtreibungsorganisation ‘Pro Familia’ geben soll.

Zu einem entsprechenden Artikel, der vor einigen Wochen in der in Kassel erscheinenden Tageszeitung ‘Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen’ (HNA) erschienen ist, hat das Bistum Fulda bis heute nicht Stellung genommen.

Die ‘Hessisch-Niedersächsische Allgemeine’ ist die führende Regionalzeitung in Nordhessen und Südniedersachsen und erscheint in einer Auflage von täglich 270.000 Exemplaren.

Es ist auch weiterhin unklar, wie man im nächsten Jahr die bislang ökumenisch ausgerichtete „Woche für das Leben“ durchführen will.

Die diesjährige Veranstaltung war durch die von einer ökumenischen Planungsgruppe beschlossene Einbindung von ‘Pro Familia’ in heftige Kritik geraten.

Nach Auskunft des Sprechers der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Karl Waldeck, soll die „Woche für das Leben“ 2007 wieder in bewährter Form stattfinden – ob mit oder ohne ‘Pro Familia’ bleibt dabei kurioserweise offen.

30.06.2006 kreuz.net