Soviel Schuld, daß niemand mehr weiß, sie abzutragen

(kreuz.net) Mitte Juni griff der österreichische Diplomingenieur Andreas Kirchmair zur Feder und schrieb dem österreichischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel einen Offenen Brief.

Kirchmair ist selbständiger Unternehmensberater und lebt als verheirateter Vater von vier Kindern in der Steiermark. Jahrelang war er ehrenamtlich in katholischen Laienfunktionen tätig.

Doch Mitte Mai 2006 wurde Kirchmair als ehrenamtlicher Vorstand des ‘Diözesankomitees katholischen Organisationen Steiermarks’ zum Rücktritt gezwungen.


Schere.jpg
Anlaß war sein privater Leserbrief in der ‘Wiener Zeitung’ zum Thema „Hat Österreichs katholische Kirche die Ungeborenen im Stich gelassen?“

Darin bezeichnete Kirchmair die Katholische Kirche als Teil der Schweigemauer, die in Österreich um die Abtreibungstötung ungeborener Menschen errichtet wurde.

Schon bald danach spürte er kirchliche Repressionen.

Auf Aufforderung aus der Diözesanleitung in Graz verlangten Funktionäre der christdemokratischen ‘Österreichischen Volkspartei’, die im ‘Diözesankomitee’ tätig sind, für ihn einen Maulkorb.

Als sich Kirchmair weigerte, forderten die gleichen Kreise seinen Rücktritt als Vorsitzender.

Schließlich trat der gesamte Vorstand des ‘Diözesankomitees’ zurück.

In seinem Offenen Brief an den Bundeskanzler erklärte Kirchmair jetzt, daß sich die katholischen Bischöfe und die christdemokratischen Politiker in Sachen Kinderabtreibung seit über dreißig Jahren gegenseitig den Ball zuspielten.

Die Bischöfe verlangten von der ÖVP, das Gesetz der Fristenregelung flankierend zu ergänzen, während die ÖVP von der Bischofskonferenz die Forderung einer entsprechenden Gesetzesänderung erwarte.

Opfer dieses unseligen Ränkespiels seien rund 360.000 ungeborene Menschen, die allein in den letzten sechs Regierungsjahren in Österreich ausgemerzt wurden.

Da die Grundlage für diese Tötungen – die sogenannte Fristenregelung – nach Aussagen der ÖVP „nicht zur Debatte“ stehe – also Kultstatus erhalten hat wie einst das Goldene Kalb – und sich ein Großteil der Hirten offensichtlich ebenfalls damit arrangiert hat, müßten lästige Lebensschützer sanktioniert werden.

„Aber ist das alles christliche Familienpolitik?“ – fragt Kirchmair.

Im heutigen Österreich sei die Repression von kritischen Meinungen an der Tagesordnung.

Besonders Lebensschützer könnten davon ein Lied singen: „Sie werden regelmäßig beschimpft, denunziert (»radikal«) und diskriminiert.“

Die Absage einer rechtmäßig angemeldeten Lebensveranstaltung an der Universität Wien sei nur ein Beispiel von vielen.

„Ist das Ihre »Bürgergesellschaft«, wenn Bürgerrechte wie Meinungs-, Rede- und Versammlungsfreiheit immer wieder mit Füssen getreten werden?“ – so Kirchmair im Brief an den Bundeskanzler.

Fragezeichen setzt der

 

Andreas Kirchmair:
„Gerade in der Schwangerschaft – wenn Frauen des Schutzes des Mannes und der Gesellschaft in besonderem Maße bedürfen – werden sie dem freien Spiel der Kräfte überlassen, wissend daß der Druck so groß ist, daß fast jedes zweite ungeborene Kind dabei getötet wird. Ist das christliche Frauenpolitik?“

 

Lebensschützer auch vor die christdemokratische Frauenpolitik:

„Warum werden seltene Blumen und Tiere heute in Österreich geschützt, schwangere Mütter aber nicht?“

„Gerade in der Schwangerschaft – wenn Frauen des Schutzes des Mannes und der Gesellschaft in besonderem Maße bedürfen – werden sie dem freien Spiel der Kräfte überlassen, wissend daß der Druck so groß ist, daß fast jedes zweite ungeborene Kind dabei getötet wird. Ist das christliche Frauenpolitik?“

Kirchmair erwähnt auch die wirtschaftlichen Implikationen der vorgeburtlichen Menschentötung.

Die Kinderabtreibung sei weltweite ein Multibillionengeschäft geworden und Österreich sei dabei führend.

Darum sei im Herbst 2004 an der Technischen Universität Wien auch der Weltkongreß von über 300 führenden Abtreibern abgehalten und die Teilnehmer anschließend im Wiener Rathaus empfangen und bewirtet worden:

„Über 60.000 operative Eingriffe im Jahr zur Abtreibung Ungeborener schaffen »heimische Arbeitsplätze«.“

„Aber müssen diese Tötungen – teilweise mit Steuergeldern finanziert – auch in öffentlichen Einrichtungen erfolgen und wie in Wien unter Polizeischutz gestellt werden?“

„Ist das christliche Wirtschaftspolitik?“ – fragt Kirchmair den christdemokratischen Bundeskanzler.

Bei der Abtreibung stehe man vor einem Versagen des gesamten gesellschaftspolitischen und kirchlichen Establishments Österreichs.

Wer sich an der Aufarbeitung dieser historischen Tragödie beteiligen wolle, müsse zuerst seine Glaubwürdigkeit wiederherstellen.

„Nach über dreißig Jahren gibt es schon so viele betroffene Menschen und es ist soviel Schuld entstanden, daß niemand mehr weiß, wie diese abgetragen werden kann.“

Kirchmair schlägt vor, damit anzufangen, den abtreibungsgetöteten Kindern einen Namen zu geben, zu bereuen, ihre Mütter und Väter zu trösten und schwangere Mütter zu schützen und zu unterstützen.

„Ohne Hilfe von außen und von oben werden wir das nicht schaffen!“

„Wenn das ganze Christentum gefordert ist, sollten wir Katholiken uns überlegen, den Heiligen Vater in Rom um Hilfe zu bitten.“

07.07.2006 kreuz.net