Am liebsten wäre ich auch tot gewesen

Der kleine Lysander Neeb hätte im letzten Juni das Licht der Welt erblicken sollen. Doch am Fest Maria Lichtmeß machte ein Abtreiber dem behinderten Jungen den Garaus.

„Es war der größte Fehler meines Lebens“, gesteht Mutter Marianne Neeb (44) in ihrem Anfang Juli erschienen Buch ‘Lysander – Grenzerfahrungen einer Mutter’.

Frau Neeb ist verheiratet und Mutter zweier Söhne (9, 11). Im letzten Oktober empfing sie ihr drittes Kind.

Der Frauenarzt riet zu einer für das Kind sehr gefährlichen Fruchtwasseruntersuchung. Die Mutter stimmte zu und erfuhr, daß ihr drittes Kind an Mongolismus litt.

Von den Ärzten in der Entscheidung alleingelassen, beschloß das Ehepaar Neeb am Ende des fünften Lebensmonates von Lysander die Tötung ihres behinderten Sohnes.

Am 2. Februar schluckte die Mutter in einer Abtreibungsanstalt Tabletten. Bereits in diesem Augenblick bereute sie ihre Untat: „Aber ich wußte: Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Das Todesurteil war gesprochen.“

„Die Schwester brachte uns Lysander, bedeckt mit einer Stoffserviette, in einem ganz kleinen Körbchen. Er war ein ganz kleines Kind von 22 cm und 270 g. Es lag ganz friedlich da. Ganz unschuldig und hilflos.“

„Mein Kind hatte winzige Öhrchen, einen süßen Mund, ein Stupsnäschen. Ich fing an, Lysander zu streicheln. Es schrie in mir auf: Was habe ich dir nur angetan?“

Der kleine Lysander wurde im Familiengrab beigesetzt.

„Für mich ist die Welt stehengeblieben. Am liebsten wäre ich auch tot gewesen. Ich vermisse Lysander so sehr, aber ich hatte einfach nicht den Mut, mich zu ihm zu bekennen.“

Am errechneten Geburtstermin des Kindes schaltete die Familie die folgende Anzeige:

„Es berührt uns stark, daß wir dich heute nicht in den Armen halten können. Du konntest hier auf Erden nicht weilen, da wir nicht das Wissen von heute hatten.

In unseren Herzen wirst du weiterleben.
Dein Papa, Mama und Geschwister.

Warum hat keiner meine Verzweiflung und Tränen erkannt?“

In ihrer Verzweiflung verfaßte die depressive Mutter als Therapie und Warnung das Buch ‘Lysander – Grenzerfahrungen einer Mutter’.

Der Verkaufserlös des Buches geht an die Stiftung ‘Menschen für Menschen’ von Karlheinz Böhm.

Marianne Neeb: Lysander
Grenzerfahrung einer Mutter.
17 Farbseiten.

Books on Demand GmbH
Juni 2006 – kartoniert – 96 Seiten
11 Euro

31.08.2006 kreuz.net