amnesty international und die Rechte ungeborener Kinder

Schon lange erfreut uns das Engagement von amnesty international, sich für die Benachteiligten und Rechtlosen dieser Welt einzusetzen. Unzähligen Menschen ist auf diese Weise geholfen worden und manche Regierung, die sich unlauterer Mittel im Umgang mit Menschen anmaßte, hatte einzulenken. So ist es nicht hoch genug zu schätzen, daß sich diese Organisation sowohl für verfolgte religiöse Minderheiten verwendet, als auch politisch benachteiligten Menschen beisteht. Diese Arbeit ist – leider Gottes – wohl noch lange nicht zu Ende. Auch für junge Menschen ist die Existenz einer solchen Organisation wichtig, damit jugendliche Motivationsfähigkeit und Gerechtigkeitssinn ein fruchtbares und wichtiges Betätigungsfeld finde.

 Seit längerer Zeit haben wir darüber nachgedacht, warum ai sich nicht auch für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder einsetzt, welches ja nahezu weltweit existenziell bedroht ist. Die Sensibilität für die Rechte verfolgter Menschen hätte zur Wahrnehmung der Bedrohung von Menschen führen können, denen zunehmend bereits in den ersten Tagen und Wochen ihrer Existenz das Lebensrecht abgesprochen wird. Doch ließen wir diese Überlegungen ruhen, ohne sie bis zu Ende zu denken. Statt dessen schien es eine pragmatische Lösung zu geben: ai kümmert sich um die Nöte der ungerecht verfolgten geborenen Menschen. Andere – wie z.B. auch der Verein „Kultur des Lebens“ - übernehmen mehr den Part, für die Rechte der ungeborenen Menschen ihre Stimme zu erheben. Damit konnte man bis vor kurzer Zeit leben. Nun ist aber eine andere Situation eingetreten, denn in der Presse war zu lesen: Laut Aussage von Irene Khan überlegt „amnesty international“, ein Recht auf Abtreibung in drei Fällen anzuerkennen, also ein Indikationen-Modell für dieses Recht. Irene Khan ist die Präsidentin der Organisation.  Somit ist die oben angedeutete pragmatische Lösung gefährdet. Statt dessen stellt sich die Frage an ai auf welcher weltanschaulichen-ethischen Grundlage ein solches positives „Recht auf Abtreibung“ getroffen werden soll? arme.jpgAus welchen Gründen ist das Recht eines ungeborenen Menschen geringer anzusetzen, als das Recht anderer Menschen? Wieso kann man fordern, daß das Lebensrecht eines Menschen aufgegeben wird und in die Verfügbarkeit anderer Menschen gerät (seien es auch die eigenen Eltern oder die Mutter), wo doch das Recht auf Leben das Grundrecht des Menschen überhaupt ist?  Wieso kann die Tötung eines unschuldigen Menschen berechtigt sein, wenn wir uns sogar - und mit Recht - für jene Menschen in den Todeszellen einsetzen, die u.U. wirklich Schuld auf sich geladen haben? Welche Maßstäbe werden da zugrunde gelegt? Gilt das Recht auf Leben nur für bereits geborene Menschen?  Einige einfache Fragen vermögen hier zur Klarheitsfindung dienlich sein:  Kann man einen ungeborenen Menschen für die Umstände verantwortlich machen in denen er gezeugt wurde? Darf man ihn mit dem Tod bestrafen, weil die sozialen Umstände, in die er hineingeboren würde, für die Eltern oder Gesellschaft untragbar scheinen?  Oder geht ai davon aus, daß ein ungeborener Mensch gar kein Mensch ist und man ihm deshalb das Leben nehmen kann? Eine solche Überzeugung wäre allerdings weder durch wissenschaftliche Erkenntnisse abgedeckt, noch mit den meisten religiösen Überzeugungen vereinbar. Sollte sich ai tatsächlich für das Recht auf Abtreibung als Menschenrecht einsetzen – was Gott verhüten möge - wird die bisherige großartige Arbeit leider an einem wesentlichen Punkt in Frage gestellt. Statt wie bisher engagierte Verteidiger und Anwälte von Menschen in Not zu sein, würde ai an einem wesentlichen Punkt sozusagen auf die „andere Seite wechseln“ und zur Unterstützerin eines zutiefst menschenfeindlichen Gesetzes werden. ai als (sicher ungewollter) Mitläufer einer geistigen Strömung, die unschuldigen Menschen das fundamentale Recht auf Leben abspricht? Eigentlich müßte dies jeden ai-Mitarbeiter bis ins Innerste treffen, weil es eine „Pervertierung der Anwaltschaft für die Menschen“ bedeutet! Hinzu kommt, daß die Frau selbst das zweite Opfer bei einer Abtreibung ist. Das sog. „Post-Abortion-Syndrom“ wird immer sorgfältiger erforscht. Dabei wird festgestellt, daß die Frauen nach einer Abtreibung häufig furchtbar zu leiden haben, manchmal das ganze Leben lang. Die Auswirkungen sind katastrophal – auf die Frau selbst, den Vater des Kindes, evtl. Geschwister oder zukünftige Geschwisterkinder usw. Jede ernsthafte Beschäftigung mit diesem Thema – was leider oft genug im Hintergrund gehalten wird – öffnet den Blick dafür, daß Abtreibung kein legitimes Mittel einer Geburtenregelung sein kann. Nicht unerwähnt sollte bleiben, daß ein positives Recht auf Abtreibung sich qualitativ erheblich davon unterscheidet, ob man bei voller Respektierung des Menschenrechtes des Ungeborenen, auf eine strafrechtliche Verfolgung dieser Tötungen in bestimmten Situationen verzichtet. kopf_arm.jpgEin positives Recht auf Abtreibung wird jedoch zur Gewissensverwirrung  beitragen und dies schadet letztendlich der Frau selbst und auch der Gesellschaft, die ihre Bindung an moralische Werte verliert. Zum Schluß sei noch darauf hingewiesen, daß sich ai mit einer solchen Entscheidung gegen gläubige Menschen stellen würde. Diese sind der Überzeugung, daß die Menschenrechte und die Menschenwürde im Ursprung von Gott her abzuleiten sind. Nicht wenige Katholiken unterstützen aus Überzeugung die Arbeit von ai. Das wird so nicht mehr aufrecht zu erhalten sein, wenn ai sich für das Recht auf eine Abtreibung einsetzt. Die Gläubigen wissen sehr gut, daß Frauen in schwierigste und verzweifelte Situationen geraten können und oft genug keine wirkliche Hilfe bekommen. Genauso gut wissen sie, daß das Töten ihres Kindes ihre Situation verschlimmert und bieten deshalb in der Regel umfassende Hilfe an. So wird Mutter und Kind geholfen. Aus religiöser Sicht sei noch hinzugefügt, daß Gott jedem Menschen das Leben schenkt und niemals das Recht zugestanden hat, ein noch ungeborenes Leben zu töten.  Wenn Sie weder aus religiösen noch weltanschaulichen Gründen die Rechte ungeborener Menschen verteidigen können, dann vermeiden Sie doch bitte, sich gegen sie zu stellen! Denn der Schutz ungeborener Kinder ist weder gegen Frauen noch Männer gerichtet, sondern respektiert die Würde des Menschen von Beginn des Lebens an und ist daher ein Werk der Gerechtigkeit.   

03.09.2006 Kultur des Lebens e.V. ( E.P.)