Made in Germany – ein Label für Ramsch aus einem Billiglohnland?

Wer sein Kind in die staatliche Schule schickt, bringt es um Wettbewerbsvorteile. Von Karl Lempel.
Trotz Pisa-Studien wird Deutschland immer mieser und dümmer. Das müßte nicht sein.

Homeschooler Christopher Paolini schrieb mit 15 Jahren seinen Bestseller-Roman Eragon’, der dieses Jahr in die Kinos kommt. Selbstständigkeit, Eigenverantwortlichkeit und ergebnisorientiertes Arbeiten ist ein Synonym für Ausbildung zuhause.

Derzeit machen fast zwei Millionen US-Schüler mit Erfolg Unterricht zu Hause.

Nachdem Eltern jahrelang für ihr natürliches Recht kämpfen mußten, werden heute an vielen US-Universitäten Home-Schooler wegen ihrer sozialen Kompetenz und ihrer Leistungen bevorzugt aufgenommen.

Als Deutschland noch als „Land der Dichter und Denker“ galt, war dies auch bei uns gang und gäbe: die Gebrüder Grimm waren im holden Alter von 14 Jahren mit Goethe und Schillers Werken vertraut.

Kein Wunder, denn sie hatten ihre Zeit nie in der Schule vertan.

Heute müßte man lange suchen, ehe man einen 14jährigen findet, der auch nur zwei Seiten aus einem Drama Schillers fehlerfrei vorlesen kann.

Goethe hatte ebenso wie Mozart oder Hölderlin sein Leben lang schulfrei und Schillers Karriere begann erst, als er der „Militärpflanzanstalt“ entfloh.
Im Land der Dichter und Denker
Goethe hatte ebenso wie Mozart oder Hölderlin sein Leben lang schulfrei und Schillers Karriere begann erst, als er der „Militärpflanzanstalt“ entfloh.


Ähnliche Erfahrungen machte C. S. Lewis, der in seiner Autobiographie die Schulzeit unter dem Kapitel „Konzentrationslager“ abhandelte.

In den vergangenen Jahren eroberten Eltern wieder ihre ureigensten Rechte zurück.

In ganz Europa sind Ausbildung zuhause oder private Kleinstschulen wieder erlaubt – außer in Deutschland und auf dem Balkan.

Hört sich an wie ein Witz, ist aber keiner. „Made in Germany“ ist schon lange kein Gütesiegel für solide Qualität mehr, wird aber nach der Reform der Reform unseres Bildungssystems bald ein Label für Ramsch aus einem Billiglohnland.

Wer sein Kind in die staatliche Schule schickt, bringt es um Wettbewerbsvorteile.

Abgesehen von vereinzelten christlichen Schulen hat man in unserer Republik jedoch kaum eine andere Wahl, es sei denn, man bietet dem Großen Bruder die Stirn.

„Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern“ heißt es im 6. Artikel des Grundgesetzes, was allerdings keineswegs bedeutet, daß Eltern ihre Kinder tatsächlich selber erziehen dürfen. Ist doch logisch.

Geplant sind verpflichtender Kindergartenbesuch und verbindliche Elterngespräche mit einem Lehrer im halbjährlichen Turnus: die Familie am Gängelband eines pädagogisch verbrämten Blockwartsystems.

Denn wer sein Kind zu Hause erzieht, disqualifiziert sich gesellschaftlich noch mehr als einer, der fremde Häuser besetzt, geschweige denn vergißt, seine Joghurtbecher abzuspülen, bevor er sie ordentlich gestapelt in den Gelben Sack steckt.

Während es die Berliner Polizei aufgegeben hat, die 5.000 Schulverweigerer der Hauptstadt in Spielhallen oder auf dem Strich zu suchen, werden die Eltern der bundesweit 500 Homeschooler gnadenlos vor den Richter gezerrt.

Wer sich um seine Kinder kümmert, muß schon mal mit Strafen bis zu 20.000 Euro rechnen.

Könnte der Staat da nicht wenigstens kulanterweise den Modus von Paragraph 218 des Strafgesetzbuches zur Anwendung bringen, nämlich die Ausübung des Elternrechtes als gesetzeswidrig bezeichnen, ohne es jedoch zu bestrafen?

Aber auch hier gilt wohl die Maxime, daß es einfacher sein muß, seine Kinder zu entsorgen, als sich ihrer liebend anzunehmen.

Bei soviel staatlicher Kollektivierungswut gilt es sich mit allen Home-Schoolern zu solidarisieren, sie zu ermutigen, Leserbriefe zu schreiben, das Schweigen zu brechen und damit dem staatlichen Zugriff auf unsere Kinder Einhalt zu gebieten.

Freilich sollen die Vorteile der Staatschule nicht unterschlagen werden:

Das Schlagwort „Lernen durch Lehren“ verwirklicht sich, wenn Schüler zur Inbetriebnahme von DVD-Playern und Beamern herangezogen werden.

In Großstädten lernt die muttersprachliche Minorität mittels Gebärden zu kommunizieren. Eltern bekommen die Chance, beim Kuchenverkauf am Schulfest Kontakte zu ihrer Peergroup zu knüpfen.

Diese Möglichkeiten sollen niemanden vorenthalten werden.

Da wir alle ohnehin nur das Beste für unsere Kinder wollen, fragt sich nur, ob es nicht an der Zeit wäre, über einen Wechsel an eine christliche Schule nachzudenken oder gar Ausbildung zuhause zu praktizieren.

Wenn nicht in Deutschland, dann halt in einem der Nachbarländer.

05.09.2006 kreuz.net