Eiertanz

(Kommentar) Ein Eiertanz, der nicht nur in Österreich aufgeführt wird!

In den modernen sogenannten Demokratien gleichen sich die Parteien wie ein Ei dem anderen. Von Dr. Alfons Adam.
Auch für mich war das Ergebnis der letzten österreichischen Nationalratswahlen eine große Überraschung.

Doch für Staatsbürger, die dem Christentum verpflichtet sind, ist es vollkommen egal, daß nun wahrscheinlich in Österreich ein sozialistischer Bundeskanzler antritt.

Sogar von einer rot-grünen Koalition wäre nichts wesentlich Schlimmeres zu erwarten, als uns in den letzten Jahren Schwarz-Blau-Orange beschert hat.

Ich nehme die Herrenworte „Hütet euch vor den falschen Propheten!“ und „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!“ ernst und beziehe sie als Warnung auf die politischen Parteien.

Es gibt seit mindestens zwanzig Jahren niemanden, der sich in der politischen Diskussion für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder eingesetzt hätte.

Leider scheint es vielen meiner Freunde bisher nicht aufgefallen zu sein, daß entsprechende Wortspenden nur im Kreis von Lebensschützern abgegeben werden.

Ob nun die von der Schwarz-Blau-Orangen Regierung geschaffenen privilegierten Homo-Partnerschaften „Ehe“ genannt werden oder nicht, macht wirklich keinen großen Unterschied.

Bis vor kurzer Zeit mußten Schulgesetze im Nationalrat mit Zwei-Drittel-Mehrheit beschlossen werden. Jetzt nicht mehr. Auch diese gravierende Änderung wurde von der ÖVP mitbeschlossen.

Der Unsinn, der über das Kulturbudget als sogenannte Kunst gefördert wird, ist als Förderung von Schmarotzertum und Verschwendung von Steuergeldern sündhaft.

An professionelle Gotteslästerer, die von „christlichen“ Politikern mit Staatspreisen bedacht werden, muß man dabei gar nicht denken.

Es ist kein Pessimismus, wenn man der Realität ins Auge blickt. Diese besteht darin, daß es in Österreich keine Partei gibt, die das christliche Menschenbild zur Grundlage ihrer Politik benützt.

An der antichristlichen Politik der letzten Jahrzehnte haben alle Parteien eifrig mitgewirkt – auch die christdemokratische ÖVP. Sie tat es nicht deshalb, weil es dort einzelne Protagonisten eines linken oder liberalen Flügels gäbe. Nein, das entspricht der Parteilinie.

Es ist eine Tatsache, daß es innerhalb der ÖVP keinen christlichen Flügel gibt. Schon vor dreißig Jahren hat Heinrich Drimmel vergeblich versucht, einen solchen aufzubauen.

Für meine Begriffe ist offene Gegnerschaft weniger gefährlich als Heuchelei. Ich betrachte mich auch nicht als Pessimisten, weil ich immer wieder Beispiele für diese Heuchelei anführe.

Ich sehe aber einen tiefsitzenden und mir sündhaft vorkommenden Pessimismus gläubiger Christen darin, daß sie gar nicht mehr versuchen, etwas an den herrschenden Zuständen zu ändern.

Diese Pessimisten meinen, die Christen hätten sich damit abzufinden, daß sie heute in der Minderheit sind. Man dürfe die eigene Überzeugung niemandem „aufzwingen“ und müsse sich darin schicken, mit fliegenden Fahnen unterzugehen. Anders kann ich diese Ansichten nicht verstehen.

Doch diese Pessimisten haben weder das Evangelium noch die Demokratie begriffen.

Der Grundgedanke der Demokratie besteht nämlich darin, daß jede noch so kleine Minderheit die Chance haben soll, ihre Ansicht durch Überzeugungsarbeit mehrheitsfähig zu machen.

Um wie viel mehr müßten gläubige Christen davon überzeugt sein, daß das Wort Gottes wirkmächtig ist und daß es die Menschen annehmen, wenn es ihnen nur verkündet wird.

Daß diese Überzeugung fehlt, ist die Krankheit der Kirche und der wenigen Persönlichkeiten in Staat und Gesellschaft, die mehr sind als Taufschein- und Folklore-Christen.

Nicht nur, daß es an kirchlicher Katechese mangelt. Beinahe alle haben sich damit abgefunden, daß Gott und seine Gebote öffentlich – im Bereich von Staat und Gesellschaft – keine Rolle spielen, ja nicht einmal genannt werden dürfen.

Alle Pessimisten, die nicht an die Wirkung des Wortes Gottes glauben und sich auch mit ihm nicht einlassen wollen, geben unser Land und unseren Kontinent für das Christentum verloren.

Ich bin zwar Realist, gebe aber die Hoffnung trotzdem nicht auf, daß eine Re-Christianisierung mit Gottes Hilfe gelingen kann.

Ich halte es für richtig, das christliche Menschenbild zum Thema der Politik zu machen – ohne Abstriche, ohne Zugeständnisse an den vom Satan geprägten Zeitgeist.

Ich glaube auch, daß die meisten Menschen dafür zu gewinnen sind. Es müßte nur einmal versucht werden. Hier bin ich nun beim Thema.

Ich kann mir gut vorstellen, daß ein großer Anteil der Nichtwähler und die überwiegende Zahl derer, die in Österreich ungültig gewählt haben, einfach enttäuscht sind, daß die wichtigsten Probleme niemanden zu interessieren scheinen. Und daß sie vor allem von der sich christlich gebenden ÖVP enttäuscht worden sind.

Meinungsumfragen zum christlichen Menschenbild gibt es natürlich nicht. Nur Totschweigen auf allen Linien.

Die wenigen mutigen und gescheiten Vertreter einer christlichen Weltanschauung, die häufig auch Multiplikatorenfunktion haben, bestätigen sich regelmäßig gegenseitig, daß sie keine Chancen haben, und denken daher auch nicht an den einzig möglichen Weg, sich Gehör zu verschaffen, nämlich in die politische Arena einzusteigen.

Vier Prozent des Wähleranteils zu überschreiten, sollte eigentlich kein Problem sein, wenn der Wille dazu besteht. Dann wäre Schluß mit Totschweigen.

Dann würde auch eine christliche Stimme gehört werden. Es bestünde die Chance, immer mehr Menschen zu überzeugen.

Selbstverständlich gibt es unter den derzeitigen Gegebenheiten noch am ehesten in der ÖVP Politiker, die christlichen Grundsätzen wenigstens eine gewisse Sympathie entgegenbringen.

Es besteht aber ein unheiliger Konsens darüber, daß ein immer weiteres Abrücken vom christlichen Menschenbild eine Art Naturgesetz und unumkehrbar ist.

Gäbe es diesen Konsens nicht, dann müßte man als erstes die EU in Frage stellen, von deren zentralen Instanzen diesbezüglich nur Schlechtes kommt.

Man kann Wetten darauf abschließen, daß die ÖVP ihren Mißerfolg bei den Wahlen auf alles Mögliche zurückführen wird. Es dürfte aber niemand auch nur auf die Idee kommen, die antichristliche Politik für den Mißerfolg verantwortlich zu machen.

Man wird eher glauben, daß man zu wenig „liberal“ war, zu wenig getan hat, die nicht vorhandene Diskriminierung der Homosexuellen zu beseitigen. Man wird sich fragen, ob die Frauenpolitik modern genug war – im Klartext: ob man nicht noch weitere Schritte zur Zerstörung der Familie hätte setzen sollen, ob man die moderne Kunst genug gefördert hat – im Klartext: ob man den Sozialschmarotzern genug Steuergeld in den Rachen geworfen hat, ob man sich vielleicht zu wenig deutlich von den Lebensschützern distanziert hat.

Vor der Wahl erhielt ich von einigen Freunden Flugblätter, in denen mit falschen Argumenten um Stimmen für die ÖVP geworben wurde:

„JA zum Leben“ stand auf einem, um zu zeigen, daß die ÖVP für eine Kultur des Lebens stehe. Der in Österreich legalisierte Massenmord an den ungeborenen Kindern ist wohl ein Irrtum meinerseits.

„Ablehnung jeder Legalisierung der Abtreibung!“ Doch wird diese Legalisierung nicht seit mindestens zwanzig Jahren von der christdemokratischen ÖVP unterstützt?

„JA zur Ehe und Familie – ein klares NEIN zur Homo-Ehe!“ Ich muß wohl etwas verschlafen haben. Ich habe nur mitbekommen, daß die ersten Homo-Privilegien von der schwarzen steirischen Landesregierung und dann von der schwarz-blauen Bundesregierung geschaffen wurden.

Solange wir noch eine freiheitlich-demokratische Verfassungsordnung haben, müssen wir gläubige Christen diese auch für unsere Zwecke nutzen.

Wir haben das Recht und die Pflicht, dem christlichen Menschenbild zum Durchbruch zu verhelfen. Der erste Schritt auf diesem Weg ist, eine Taktik zu wählen, die das bisherige Totschweigen verunmöglicht.

Wissenschaftliche Symposien und Vorträge kann man ignorieren, Zeitschriften erreichen immer nur dieselben eingeschränkten Kreise. Vereinsaktivitäten kann man totschweigen. Selbst wenn da oder dort eine gewisse Aufmerksamkeit erregt wird, hat das in unserer schnellebigen Zeit keine nachhaltige Wirkung.

Was man nicht totschweigen kann, ist eine politische Partei, die Mandate anstrebt und das christliche Menschenbild zum Hauptthema macht.

Vor kurzem hat mir jemand geschrieben, es gäbe höchstens zehn Prozent Österreicher, denen der Glaube wirklich etwas bedeutet.

Ich halte dagegen, daß es für den ersten Schritt genügen würde, fünf Prozent zu erreichen. Das wären zehn Mandate im Nationalrat, der Einzug in die meisten Landtage und in viele Gemeindestuben.

Damit wäre die personelle und finanzielle Basis geschaffen, eine Überzeugungsarbeit zu leisten, von der alle Interessierten bisher nur träumen konnten.

Daher schließe ich wieder einmal mit dem Appell an überzeugte Christen, daß sie ihre soziale Verantwortung wahrnehmen und sich zusammenschließen sollen.

Wir müssen den Kampf aufnehmen, damit wir ernst genommen werden.

Die Abkehr vom christlichen Menschenbild ist kein Naturgesetz.

Wenn wir das uns Mögliche unternehmen, werden wir mit Gottes Hilfe eine Re-Christianisierung unseres Landes erreichen.


Dr. Alfons Adam ist Rechtsanwalt und Vorsitzender der Bewegung für Menschenrecht auf Leben ‘Pro Vita’ in Neulengbach in Niederösterreich.

15.10.2006 kreuz.net