Die seltsame Welt des Peter Singer

Haben Neugeborene und Schwerstbehinderte ein geringer einzustufendes Lebensrecht, als Tiere? Haben wir nicht nur das Recht, Schwerkranke durch den Tod von ihren Leiden zu erlösen, sondern sogar die Pflicht dazu?

 Und dürfen wir an Neugeborenen „Tierversuche“ durchführen, bis sie 28 Tage alt sind? Wenn es nach den Vorstellungen des australischen Philosophen Peter Singer ginge, dann wäre dies Realität.Wo er auch auftritt, wie zuletzt im Dezember 2004 auf Einladung des Deutsch-Amerikanischen Instituts in Heidelberg oder im Mai 2005 bei den „Sonntagsgesprächen“ der Universität Leipzig, sieht er sich mit einer seltsamen Koalition von Demonstranten konfrontiert: Christen, Antifaschisten, Grüne, Behindertenverbände. Diese Proteste gehen so weit, dass Veranstaltungen mit Singer bereits mehrfach abgesagt oder abgebrochen wurden.Aber der Australier fühlt sich nur missverstanden. Selbst er streitet nicht ab, dass auch der frühe Embryo ab Verschmelzung von Samen- und Eizelle bereits ein Angehöriger der Gattung Mensch ist. Er stellt jedoch in Frage, ob dieser Mensch die gleichen Rechte und den gleichen Schutz genießen soll, wie ein Mensch, der sich seiner selbst bewusst ist und Schmerz empfindet, also leidensfähig ist. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Spezies besitzt für Singer keine Relevanz, wenn es um die moralische Beurteilung des Tötens geht. Ebenso machen für ihn die gängigen Trennlinien, wie Befruchtung, Lebensfähigkeit oder Geburt keinen Unterschied. Einzig die Fähigkeiten des individuellen Menschen machen ihn zur Person und damit zum Träger von Rechten.Wenn Singer also anerkennt, dass ab der Befruchtung ein Mensch existiert, er für den Beginn des Würdeschutzes bzw. des Lebensrechts jedoch weder Befruchtung noch Geburt als Grenze anerkennt, so ist es zu seinen Thesen der „praktischen Ethik“ nur noch ein kleiner Schritt: „Wenn der Fötus nicht den selben Anspruch wie eine Person hat, dann hat ihn das Neugeborene offensichtlich auch nicht, und das Leben eines Neugeborenen hat also weniger Wert als das Leben eines Schweines, eines Hundes oder Schimpansen.“Dabei beinhalten die Thesen Peter Singers erstaunlich viele Widersprüche. So setzt er für die menschliche Person Fähigkeiten voraus, die ein Tier nie erreichen kann. Er vergisst zudem, dass auch das ungeborene Kind ein „vernunftbegabtes Wesen“ ist, im Unterschied zum Tier also zumindest das Potential hat, als Person im Sinne Singers zu gelten. Gerade diese Fähigkeiten, die den Menschen zur Person machen, kann Singer nicht schlüssig erklären. Warum sollten ausgerechnet Eigenschaften ausschlaggebend sein, mit denen vor allem der ökonomische Nutzen einer Person ausgedrückt wird? Das hieße, die Menschenwürde an der Funktionsfähigkeit des Menschen festzumachen.Immerhin hält er „Tierversuche“ am Neugeborenen für ausgeschlossen. Nicht aber, dass er moralische Bedenken hätte, sondern weil es schwierig sei, den Eltern „zu erklären, dass völlig normale Kinder zu Experimenten gebraucht und dann umgebracht würden“, wie er im Interview mit dem SPIEGEL vom 25.11.01 freimütig zugibt.

24.10.2006 mit freundlicher Genehmigung  http://www.vers1.net/