Schreiben Sie, daß es eine Fehlgeburt war

Eine junge Schweizer Protestantin wollte Hebamme werden. Sie wünschte sich, Kinder zur Welt zu bringen – nicht welche umzubringen. Doch es kam anders.

(kreuz.net, St. Gallen) Die in der Ostschweizer Stadt St. Gallen lebende Rebekka Sutter hat immer schon Kinder über alles geliebt. Für sie war früh klar, daß sie Hebamme werden wollte.

Doch sie stellte eine Bedingung: „Nie möchte ich aktiv an einer Abtreibung mitwirken.“ Die Hebammenschule nahm Frau Sutter trotzdem auf.

Doch der Arbeitsalltag sollte die überzeugte Protestantin einholen.

Eines abends war sie die einzige freie Kraft auf der Station. Da wurde eine stark blutende, schwangere Mutter hereingefahren. Sie hatte bereits ein Gift geschluckt, um ihr Kind umzubringen.

„Alle anderen Hebammen waren beschäftigt. Ich konnte nicht Nein sagen. Die Frau blutete stark. Ich mußte handeln“ – erinnert sich Frau Sutter laut einem Bericht des protestantischen Nachrichtendienstes ‘Jesus.ch’.

Frau Sutter verabreicht der blutenden Mutter ein Wehenmittel. Das bereits fünf Monate alte, gesunde Kind mußte schnell aus dem Mutterleib ausgetrieben werden.

Als es das Licht der Welt erblickte, atmete es noch. Doch es war zu klein, um zu überleben.

Frau Sutter vermerkte eine Lebendgeburt. Doch der anwesende Abtreiber forderte sie auf: „Schreiben Sie, daß es eine Fehlgeburt war.“

Da realisierte die junge Hebamme, wie Geburtsstatistiken gefälscht werden.

Ein anderes Mal sah Frau Sutter, wie Eltern ihr leicht behindertes Kind abtreiben ließen. Anschließend verschicken sie heuchlerische Trauerkärtchen: „Wir haben dich geliebt.“

Vergeblich versuchte Frau Sutter im Spital offen über die Kinderabtreibung zu reden. Das Thema wurde tabuisiert.

Nur im privaten persönlichen Gespräch öffneten sich die Herzen. Hebammen, die an Kinderabtreibungen mitwirkten, berichteten dann, wie belastend es sei, Kinder aus dem Leib der Mutter zu holen und sie dann mutterseelenallein sterben zu lassen.

Auch Frau Sutter litt unter ihrer erzwungenen Mitwirkung an der Abtreibung: „Ich habe eine wahnsinnige Schuld auf mich geladen.“

Sie flehte zu Gott um Vergebung, betete und las die Bibel. Ihre Not wurde immer größer. Sie konnte nicht herausfinden, ob Gott ihr wirklich vergeben hatte.

Eine Eileiterschwangerschaft verunsicherte sie zusätzlich.

Schließlich erkannte sie in einem Traum die ersehnte Gewißheit für die Vergebung Gottes. Sie sah darin, wie ihr verlorenes Kind glücklich bei Gott war.

Sechzehn Wochen nach der Spätabtreibung gebar Frau Sutter ihr erstes Kind.

Seitdem ist sie als Hausfrau und mittlerweile Mutter von zwei Kindern zuhause. Außerdem berät sie über die Organisation ‘Agapa’ Mütter, die nach einer Abtreibung an psychischen Leiden – im Fachterminus ‘Post Abortion Syndrome’ – leiden.

In ihren Beruf will sie nicht mehr zurückkehren.

Sie hätte zu viel Angst, in Umstände zu geraten, die sie wieder in eine Abtreibung verstricken könnten.

28.12.2006 kreuz.net