Altersgemäße Sexualerziehung?

Eltern, die sich gegen perverse oder schamlose Sexualerziehung wehren, haben in Deutschland das Gesetz auf ihrer Seite. Von Lisa Abelin.

Die Sexualerziehung soll das Bewußtsein für eine persönliche Intimsphäre entwickeln.

Außerdem hat sie die Aufgabe, partnerschaftliches Verhalten in persönlichen Beziehungen sowie Ehe und Familie zu fördern.

Seit dem Beschluß der deutschen Kultusministerkonferenz von 1968 steht der Lernkomplex „Sexualerziehung“ auf dem Lernplan der allgemeinbildenden Schulen in Deutschland.

Doch in den folgenden Jahren der sogenannten antiautoritären Bewegung kam es zu wild wachsenden und extrem divergierenden Länderbestimmungen.

Sie wurden durch das Bundverfassungsgerichtsurteil vom 21. Dezember 1977 grundrechtlich normiert:

„Die Sexualerziehung soll sittliche Entscheidungen und sittlich bestimmte Verhaltensweisen im Bereich der Geschlechtlichkeit ermöglichen.“

Dabei soll die Sexualpädagogik auf menschliche und soziale Partnerschaft in Ehe und Familie orientiert sein.

Leider hat diese verfassungsrechtliche Normierung nicht verhindert, daß einzelne Länder heute etwas anderes tun.

Der substantielle Unterschied wird schon von der Benennung dieses schulischen Erziehungsfeldes in den einzelnen Bundesländern angedeutet.

In den meisten Ländern heißt das Lernfach einfach und krude „Sexualerziehung“, in den Ländern Bayern und Sachsen dagegen „Familien- und Sexualerziehung“, in Baden-Württemberg „Familien- und Geschlechtserziehung“.

Im Artikel 6 des Schulgesetzes von Mecklenburg-Vorpommern vom 15. Mai 1996 wird präzisiert:

„Ziel der Sexualerziehung ist, die Schüler altersgemäß mit den biologischen, ethischen, kulturellen und sozialen Tatsachen und Bezügen der Geschlechtlichkeit des Menschen vertraut zu machen.

Die Sexualerziehung soll das Bewußtsein für eine persönliche Intimsphäre und für partnerschaftliches Verhalten in persönlichen Beziehungen sowie in Ehe und Familie entwickeln und fördern.

Ziel, Inhalt und Formen der Sexualerziehung sowie die hierbei verwendeten Lehr- und Lernmittel sind den Erziehungsberechtigten rechtzeitig mitzuteilen und mit ihnen zu besprechen.“

In den Bundesländern Thüringen, Sachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Baden-Württemberg und Bayern werden die grundlegenden Aufgaben der Sexualerziehung ähnlich bestimmt.

Würden Praxis und Texte der schulischen Sexualerziehung diesen Gesetzesbestimmungen entsprechen, gäbe es in diesen Ländern kaum Beschwerden oder Unbehagen an diesem Fach.

Doch noch ist nicht alles verloren.

Denn die wertorientierten Formulierungen des Gesetzes bilden für Eltern und Lehrer einen Maßstab, an dem schulische Lehrbücher und praktische Unterrichtskonzepte gemessen werden können.

Das gilt auch für außerschulisches Lehrmaterial wie zum Beispiel die umstrittene Schrift „about YOU“, die von der Abtreibungsorganisation ‘pro familia’ herausgegeben wurde.

Tatsächlich wird in den Schulen sehr oft gegen ein altersgemäßes Vertrautmachen mit der Geschlechtlichkeit verstoßen.

So gibt es vielfach Beschwerden von Eltern, daß bestimmte Werthaltungen im sexuellen Bereich von den Schulen lächerlich gemacht werden.

Dagegen spricht das Gesetz von Zurückhaltung sowie von Offenheit und Toleranz den verschiedenen Wertvorstellungen gegenüber und verurteilt einseitige Beeinflussung.

Damit ist klar, daß Lehrer oder Lehrbücher nicht die „Lust“ als Entscheidungskriterium für sexuelle Handlungen hinstellen dürfen, wie das in der erwähnten ‘pro-familia’-Aufklärungsbroschüre „about YOU“ gemacht wird.

16.02.2007 kreuz.net