Päpstliche Akademie für das Leben

Stellungnahme zur sogenannten „Pille danach“ 

Vor kurzem wurde die sogenannte Pille danach in Italien für die Abgabe in Apotheken zugelassen. Es handelt sich um ein bekanntes Produkt (Hormonpräparat), das häufig – gerade in der vergangenen Woche – von vielen und von den Massenmedien als ein reines Verhütungsmittel dargestellt wird oder genauer als ein „Notfall-Verhütungsmittel“, das innerhalb eines kurzen Zeitraumes nach einem möglicherweise fruchtbaren Geschlechtsakt angewendet werden kann, wenn eine unerwünschte Schwangerschaft verhindert werden soll.

 Die unvermeidlichen kritischen Fragen von jenen, die ernste Zweifel hinsichtlich der Wirkungsweise dieses Produktes vorgebracht haben, nämlich, dass seine Wirkung nicht nur „verhütend“ sondern auch „abtreibend“ sei, haben die sehr eilige Antwort erhalten, dass solche Bedenken unbegründet seien, da die Pille danach eine „Anti-Nidations“-Wirkung[1] habe. Dadurch wird stillschweigend zu verstehen gegeben, es gebe einen deutlichen Unterschied zwischen Abtreibung und Interzeption (Verhinderung der Einnistung der befruchteten Eizelle, d.h. des Embryos in die Gebärmutterschleimhaut). Wenn man bedenkt, dass die Anwendung dieses Produktes grundlegende menschliche Güter und Werte betrifft, ja die Ursprünge des menschlichen Lebens selbst, sieht die Päpstliche Akademie für das Leben die dringende Pflicht und klare Notwendigkeit, einige Klarstellungen und Überlegungen diesbezüglich anzubieten. Sie bekräftigt nochmals schon bekannte ethische Positionen, die durch präzise wissenschaftliche Daten gestützt und durch die katholische Lehre bestätigt werden. 

1. Die Pille danach ist ein Hormonpräparat (es kann Estrogene, Estrogen/Gestagene oder nur Gestagene enthalten), das innerhalb von 72 Stunden nach einem möglicherweise fruchtbaren Geschlechtsakt überwiegend eine Anti-Nidations“-Wirkung hat, d.h. es hindert eine möglicherweise befruchtete Eizelle (einen menschlichen Embryo), mittlerweile im Blastozystenstadium (fünf oder sechs Tage nach der Befruchtung), an der Einnistung in die Gebärmutterschleimhaut durch einen Prozess, der die Schleimhaut selbst verändert. Das Endergebnis wird folglich die Ausstoßung und der Verlust des Embryos sein. Nur wenn diese Pille mehrere Tage vor dem Eisprung genommen wird, könnte sie manchmal Eisprung verhütend wirken (in diesem Fall würde sie wie ein typisches „Verhütungsmittel“ wirken.) Die Frau jedoch, die diese Pille nimmt, tut dies in der Furcht, in der fruchtbaren Phase zu sein und beabsichtigt daher die Ausstoßung eines möglicherweise gezeugten Menschen. Außerdem ist es unrealistisch zu glauben, dass eine Frau, die sich in einer Situation befindet, in der sie ein Notfall-Verhütungsmittel wünscht, fähig wäre, exakt ihr gegenwärtiges Zyklusstadium anzugeben. 

2. Die Entscheidung, den Begriff „befruchtete Eizelle“ zu verwenden, um die ersten Phasen der Embryonalentwicklung zu bezeichnen, darf keineswegs zu einem künstlichen Wertunterschied der verschiedenen Entwicklungsstadien des gleichen menschlichen Individuums führen. Mit anderen Worten, wenn es aus Gründen der wissenschaftlichen Beschreibung nützlich sein kann, durch herkömmliche Ausdrücke (befruchtete Eizelle, Embryo, Fetus etc.) verschiedene Zeitspannen in einem einzigen Wachstumsprozess zu unterscheiden, kann es niemals legitim sein, willkürlich zu bestimmen, dass das menschliche Individuum abhängig von seinem Entwicklungsstadium einen größeren oder geringeren Wert hat (mit der Folge einer Veränderung seiner Schutzpflicht). 

3. Es ist daher klar, dass die nachgewiesene „Anti-Implantations“-Wirkung[2] der Pille danach nichts anderes ist als eine chemisch herbeigeführte Abtreibung. Es ist weder verstandesmäßig logisch noch wissenschaftlich vertretbar zu sagen, es handle sich nicht um dasselbe. Außerdem scheint es ausreichend klar zu sein, dass jene, die nach dieser Pille fragen oder diese anbieten, die direkte Beendigung einer möglichen bestehenden Schwangerschaft genauso wie bei einer Abtreibung anstreben. Eine Schwangerschaft beginnt jedoch nicht mit der Einnistung der Blastozyste in die Gebärmutterschleimhaut, was von jenen stillschweigend zu verstehen gegeben wird, sondern in der Tat mit der Befruchtung. 

4. Deshalb trifft vom ethischen Standpunkt aus die gleiche absolute Illegalität von abtreibenden Handlungsweisen auch auf die Vermarktung, Verschreibung und Einnahme der Pille danach zu. Alle jene, die direkt an dem Verfahren mitwirken, egal ob sie die Absicht teilen oder nicht, sind dafür auch moralisch verantwortlich. 

5. Eine weitere Überlegung sollte angestellt werden hinsichtlich der Verwendung der Pille danach in bezug auf die Anwendung des Gesetzes 194/78, das in Italien die Bedingungen und Verfahren für einen Schwangerschaftsabbruch regelt.Von der Pille als einem Anti-Implantations-Produkt zu sprechen, anstelle die ehrlichere Bezeichnung „Abtreibungsmittel“ zu verwenden, macht es möglich, all die obligatorischen Verfahren zu vermeiden, die vom Gesetz 194 beim Abbruch einer Schwangerschaft gefordert werden (vorheriges Gespräch, Feststellung der Schwangerschaft, Bestimmung des Stadiums, Zeit zum Nachdenken etc.). Es ist das Praktizieren einer Form von Abtreibung, die völlig geheim ist und von keiner Institution registriert werden kann. All das scheint folglich selbst anfechtbar zu sein, da es in direktem Gegensatz zu einer korrekten Anwendung des Gesetzes 194 steht. 

6. Da diese Verfahren sich immer mehr ausbreiten, bitten wir abschließend jeden, der in diesem Bereich arbeitet, eindringlich, einen entschlossen Einspruch aus Gewissensgründen zu erheben. Dieser wird zu einem mutigen und praktischen Zeugnis gegenüber dem unveräußerlichen Wert des menschlichen Lebens werden, besonders im Hinblick auf die neuen verborgenen Formen der Aggression gegenüber den schwächsten und schutzlosesten Individuen, wie es beim menschlichen Embryo der Fall ist. 

Vatikanstadt, 31. Oktober 2000   

Anmerkung: Private, nicht autorisierte Übersetzung, Garantie für Richtigkeit wird nicht übernommen, Haftung jeder Art wird ausgeschlossen.Englische Version: “Statement On The So-Called Morning-After-Pill” unter (“Documenti PAV”) 


[1] Nidation= Einnistung (Anm. d. Übersetzers)

[2] Implantation = Einnistung (Anm. d. Übersetzers)

10.02.2008 Aktionskreis Fulda I. Babel