Weshalb wird die Reprogrammierung von adulten Zellen so euphorisch begrüsst?

Pro-Life-Gruppen haben die jüngst berichtete Reprogrammierung von adulten Hautzellen in Zellen, die praktisch mit embryonalen Stammzellen identisch sind, als „Moralischen Sieg" bejubelt. Anfangs hielt auch ich das ganze für „moralisch", während mich gleichzeitig der Begriff „Sieg" irritierte.

von Theresa A. Deisher, Ave Maria Biotechnology Company, Direktorin für Forschung und Entwicklung

In der Radiosendung „Gespräche mit Pater Bob" aus Seattle, W A, hatte ich am 3. Dezember 2007 noch öffentlich erklärt, dass ich keine „moralischen Probleme bei der Technik" der Reprogrammierung von adulten Zellen sähe. Leider habe ich erst später erfahren, dass die veröffentlichten Forschungsarbeiten nicht als „moralisch" betrachtet werden können. Die Umwandlung von adulten Zellen in embryonale Stammzellen könnte moralisch in Ordnung sein, aber eine gründliche Durchsicht der beiden veröffentlichten Aufsätze zeigte, dass dafür Zellen eines abgetriebenen Kindes verwendet wurden und das kann nicht als moralisch betrachtet werden.

Um adulte Zellen in embryonale Stammzellen zu verwandeln, bauten die Forscher vier Gene, die für den embryonalen Stammzellcharakter unentbehrlich sind, in die adulten Zellen ein. Zuerst mussten die Forscher das Gen- und Virusmaterial herstellen, das für die Umwandlung der adulten Zellen notwendig ist. Beide Forscher verwendeten dafür Versionen der HEK 293-Zelle. Diese Zelle, die sogenannte „menschliche embryonale Nierenzelle 293" („Human Embryonic Kidney 293 cell"), wird in der biomedizinischen Forschung häufig für die DNA (Gen)- und Virusproduktion verwendet. Erst vor kurzem wurde ich darüber informiert, dass die 293-Zellen von einem abgetriebenen Kind stammen. Ich konnte dies leicht überprüfen. Die Bezeichnung „embryonal" ist hier irreführend.

Das Gen- und Virusmaterial, das für die Umwandlung der adulten Zellen gebraucht wurde, hätte ohne weiteres mit Hilfe der anderen Zelllinien produziert werden können, die für diesen Zweck zur Verfügung stehen, wie zum Beispiel HeLa-, COS- oder CHO-Zellen. Diese Zellen stammen nicht von abgetriebenen Kindern.

Viel zu viele Jahre haben Wissenschaftler wie ich sich nicht für die Herkunft der Zelllinien interessiert, die im allgemeinen in der biomedizinischen Forschung und bei der Entwicklung von Arzneimitteln verwendet werden. Stillschweigen ist Zustimmung und Zustimmung führt zu weiterem Missbrauch. Heute mag die weitverbreitete Verwendung von frischem fetalem Gewebe aus Abtreibungen in der biomedizinischen und Arzneimittelforschung das Ergebnis dieses jahrelangen Schweigens sein.

Warum haben wir geschwiegen, obwohl es doch Alternativen zu den von einem abgetriebenen Kind stammenden HEK 293-Zellen gibt? Im 21. Jahrhundert wurden Medikamente entwickelt, die zu Kassenschlagern wurden, die biomedizinische Forschung machte enorme Fortschritte und das Gesundheitswesen wurde verbessert und dies alles ohne den Einsatz von moralisch inakzeptablen Zelllinien und Geweben. Innerhalb des letzten Jahrzehnts ist die Verwendung von fetalen Zelllinien und Geweben, die aus Abtreibungen stammen, bei der Arzneimittelforschung vorherrschend geworden. Interessanterweise berichtete kürzlich die Zeitung Biotech Industry News, dass im Jahr 2006 die niedrigste Zahl der jährlichen Zulassungen von neuen Medikamenten allerzeiten verzeichnet wurde. „Die Zahl an echten Innovationen bei bisher unbehandelbaren Krankheiten oder an Arzneimitteln, die wirklich eine Verbesserung darstellen, ist nicht gerade hoch. Es gibt einfach nicht viele Innovationen in letzter Zeit." (Jordan, Newark Star-Ledger, 1/4/08) Offensichtlich hat die Abschaffung der Moral durch die Wissenschaft keine größeren medizinischen Fortschritte für die Menschheit gebracht.

Wie wir erörtert haben, wäre es leicht möglich, die Gene und das Virus, die für die Umwandlung der adulten Zellen nötig sind, mit Hilfe einer moralisch erlaubten Zelllinie herzustellen. In diesem Fall wäre der Durchbruch bei der Reprogrammierung adulter Zellen „moralisch in Ordnung".

Aber kann man hier von „Sieg" sprechen?

ROBERT LANZA vom US-Unternehmen Advanced Cell Technology – das sich mit embryonalen Stammzellen beschäftigt und eine Geschichte aufweist, Forschungsziele vorzugeben und dann zurückzuziehen – hat die Reprogrammierung so beschrieben: „Es ist ein bisschen wie das Lernen, wie man Blei in Gold verwandelt." Man muss kein Alchemist sein, um zu wissen, dass dies nicht funktioniert. In diesem Fall wäre die Formulierung passender, dass diese Wissenschaftler einen Weg gefunden haben, Brot zu Müll zu machen.

Embryonale Stammzellen wurden erstmals 1980 von Mäusen isoliert. Seit dieser Zeit sind mit Hilfe solcher Zellen keine Krankheiten behandelt und ist keinem Menschen geholfen worden - trotz mehrerer Hundert Millionen US-Dollar, die in diesen Bereich der Forschung geflossen sind. Im Gegensatz dazu sind adulte Stammzellen erstmals in den späten 1990er Jahren bei Mäusen identifiziert worden und bis zum Jahr 2008 sind mit solchen Zellen bereits viele verschiedene Krankheiten behandelt und ist Tausenden von Menschen geholfen worden. Mit embryonalen Stammzellen war das nicht möglich, weil sie tödliche Tumore bilden, wenn sie Erwachsenen verabreicht werden. Es ist nämlich das eigentliche Wesen der embryonalen Stammzellen, das die tödliche Tumorbildung verursacht. Man kann das so sagen, weil die tödliche Tumorbildung (Teratom-Bildung) der Gold-Standard ist, um festzustellen, ob eine Zelle wirklich eine embryonale Stammzelle ist. Reprogrammierte adulte Stammzellen zeigen diese Eigenschaft embryonaler Zellen: sie bilden tödliche Tumore bei Erwachsenen.

Im Grunde sind wir nun in der Lage, eine perfekte gute Hautzelle in eine tödliche tumorbildende Zelle umzuwandeln. Ist dies wirklich ein „Sieg"?

Wenn ich eine neue Therapie beurteile, wende ich vier Kriterien an: Ist die Therapie 1) sicher, 2) effektiv, 3) kostengünstig und 4) moralisch in Ordnung? Weder embryonale Stammzellen noch reprogrammierte adulte Zellen erfüllen alle diese Kriterien. Diese Zellen sind nicht sicher, da sie tödliche Tumore bei Erwachsenen bilden. Darüber hinaus braucht man für die Reprogrammierung von adulten Zellen Viren, was ein zusätzliches Sicherheitsrisiko darstellt. Man braucht nur die Geschichte der klinischen Anwendung der Gentherapie und der damit verbundenen Todesfälle zu lesen, um zu zögern, etwas als Fortschritt zu preisen, für das vier Gentransfers erforderlich sind. Während reprogrammierte adulte Zellen moralisch in Ordnung sein könnten, wie oben besprochen, wäre es nicht billig, so dass das Kriterium der Erschwinglichkeit nicht erfüllt würde. In deutlichem Kontrast dazu sind adulte Stammzelltherapien, besonders solche auf der Basis von Knochenmark-Stammzellen, sicher, effektiv, kostengünstig und moralisch in Ordnung.

Also, warum dann diese scheinbare US-amerikanische Besessenheit für embryonale Stammzelleigenschaften? Wir alle müssen uns diese Frage stellen. Was ist das Ziel der Stammzellforschung? Die Behandlung menschlicher Krankheiten? Dann sollten wir uns alle für adulte Stammzellen einsetzen, die diese Erwartung erfüllen. Ist es möglich, dass der Reiz der embryonalen Stammzelleigenschaften jenseits der Behandlung menschlicher Krankheiten liegt? Könnten wir als Gesellschaft im Unterbewußten zu embryonalen Eigenschaften hingezogen werden, weil wir „jung bleiben" oder „länger leben" wollen? Die Eigenschaften der embryonalen Stammzellen sind nicht die Quelle der Jugend, wonach wir uns sehnen könnten. Es sind tödliche tumorbildende Zellen, die sich niemand für die Behandlung eines geliebten Menschen, der an einer schweren Krankheit leidet, wünschen würde.

Dr. Deisher ist Mitbegründerin und Direktorin für Forschung und Entwicklung der Ave Maria Biotechnology Company, einem Unternehmen, das sich der Erforschung, Entwicklung und Vermarktung von sicheren, effektiven, kostengünstigen und moralisch unbedenklichen humanen Therapeutika widmet. Sie ist eine international anerkannte Expertin auf dem Gebiet der adulten Stammzelltherapien und der regenerativen Medizin und hat mehr als 17 Jahre Erfahrung in Positionen der Unternehmensführung einschließlich wissenschaftlichen Forschung, Entdeckung, Herstellung und Vermarktung von humanen Therapeutika. Dr. Deishers Vorliebe für bahnbrechende Entdeckungen und ihre ausgezeichnete wissenschaftliche Forschung hat zu 23, auf ihren Namen ausgestellten, Patenten geführt. Sie hat zahlreiche wissenschaftliche Schriften veröffentlicht und ist eine häufig eingeladene Dozentin und Gastrednerin auf dem Gebiet der Stammzelltechnologie und regenerativen Medizin.

Im Laufe ihrer Karriere hat Dr. Deisher bei führenden amerikanischen Biotechnologie-Unternehmen gearbeitet, darunter Genentech, Repligen, ZymoGenetics, Immunex und Amgen. Sie hat Studenten, Post-Doc-Stipendiaten, wissenschaftliche Führungskräfte und über 20 Forschungsassistenten und Wissenschaftler auf allen Verantwortungsebenen ausgebildet und betreut. Dr. Deisher absolvierte die Stanford Universität mit Auszeichnung und erhielt ihren Doktortitel vom dortigen Fachbereich für molekulare und zellulare Physiologie.

Dr. Deisher hat als erste adulte Stammzellen des Herzens identifiziert und patentiert einschließlich der sogenannten „sehr kleinen embryonalzellenähnlichen Stammzellen". Auf dem Gebiet der regenerativen Medizin ist Dr. Deisher auch Erfinderin und Patentinhaberin des stärksten identifizierten Mesenchymalen Wachstumsfaktors und der Anwendung von Zytokinen zur Mobilisierung adulter embryoider Zellen.

Sie können Frau Dr. Deisher erreichen unter:

tdeisher@avemariabiotech.com

24.02.2008