Künstliche Befruchtungen für kinderlose Paare

Brief an Ministerpräsident Koch

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Koch,

in einer Pressemitteilung vom  17.03.2009 hat sich Herr Staatsminister Jürgen Banzer für die Schaffung einer Stiftung oder eines Fonds ausgesprochen, der kinderlose Paare finanziell bei dem Bemühen unterstützen soll, mit Hilfe künstlicher Befruchtung ein Kind zu bekommen.

Der Aktionskreis Fulda in der Aktion Leben vertritt im Gebiet Fulda ca. 1000 Mitglieder und setzt sich für den Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod ein. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass das menschliche Leben mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt.

Bei der Methode der In-vitro-Fertilisation (IVF), die häufigste Methode der künstlichen Befruchtung,  dürfen in der Regel pro „Kinderwunsch-Behandlung“ bis zu drei im Labor künstlich erzeugte Embryonen in die Gebärmutter implantiert werden (§ 1 ESchG).

Erschreckend wird in einem von führenden Reproduktionsmedizinern erstellten und von  der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Auftrag gegebenen Gutachten  festgestellt, dass „die Mehrzahl aller durch IVF erzeugten Embryonen nicht entwicklungsfähig ist“ und dass „60 bis 80 Prozent“ der durch künstliche Befruchtungen erzeugten Embryonen „chromosomale Störungen aufweisen, die nicht mit einer Lebendgeburt vereinbar sind“, also krank sind.  

Die „Erfolgsrate“ („baby-take-home“-Rate) künstlicher Befruchtungen liegt nach diesem Gutachten bei 18 bis 20 Prozent. Und noch schlimmer:„Im statistischen Mittel“ führe sogar „weniger als einer von zehn durch IVF erzeugten Embryonen“ zu „einer Geburt“, stellen die Reproduktions-Mediziner fest. Eine traurige Bilanz!

Seit 1982 wird das Deutsche IVF-Register veröffentlicht. Im Jahre 2007, dem jüngsten erfassten Jahr, wurden 64 578  Zyklen an IVF-Behandlungen registriert. - Die ganze Dramatik wird einem jedoch erst bewusst, wenn man sich die gesamte  Zahl der durch IVF erzeugten  „überzähligen“ Embryonen vor Augen hält, die letztendlich dem Tod preisgegeben sind. Sorgfältige Schätzungen befürchten, dass sie sich jetzt  schon auf  über 130.000 belaufen. 

Sie stellen de facto nichts anderes als den Tod von ungeborenen Kindern dar. Diese Kindestötungen sind zu den statistisch gemeldeten  Abtreibungen, die im vergangenen Jahr 114.484 betragen haben, hinzuzurechnen. Wie kann eine vom Christentum geprägte Nation dies zulassen?

Sie würden sich aufgrund einer Kostenübernahme mittels Stiftung oder Fonds erwartungsgemäß noch einmal stark ausweiten.

Sofern sich diese „überzähligen“ Embryonen eingenistet haben, werden sie später  meist, mit Einwilligen der Mutter, von einem  Arzt mit einer langen Nadel unter Ultraschallansicht ins Herz gestochen und eine Kalium-Clorid-Lösung eingespritzt. (fetale Reduktion, Mehrlingsreduktion).  Auch hier gilt, dass die Mutter  in gar keiner Weise ein Verfügungsrecht über  das Leben des ungeborenen Kindes hat. Die so  genannte “Reproduktionsmedizin“ wird in der Praxis zur „Reduktionsmedizin“.

Die eigentliche Problematik – nämlich die bewusste Tötung von Menschenleben wird gar nicht mehr gesehen.

Ein Euthanasie-Programm in einem deutschen Rechtsstaat?

Weiterhin dürfen  die gesundheitlichen und psychischen Folgen für Frauen und Kinder nicht unberücksichtigt bleiben. Wir möchten z.B.  nur auf das Recht des Kindes auf Wissen nach Herkunft (Abstammung/Vaterschaft) oder auf die psycho-sozialen Auswirkungen der Reduktion bei Mehrlingsschwangerschaften auf Mutter und Kind(er) hinweisen. Aufgrund all dieser zuvor geschilderten entsetzlichen Fakten  appelliert  der Aktionskreis Fulda in der Aktion Leben an Sie, das Vorhaben der Förderung künstlicher Befruchtungen nicht weiter zu verfolgen und sich für einen aktiven Lebensschutz, auch unter Einsatz finanzieller Mittel, für die ungeborenen Kinder einzusetzen.  

Kann es denn sein, so werden wir immer wieder gefragt, dass ausgerechnet Politiker, die der Partei mit dem „C“ im Namen angehören,  durch ein solches Vorhaben die Zahl der vorgeburtlichen Kindestötungen auf das Zwei- oder Dreifache erhöhen wollen?

Kann es denn sein, dass unsere Politiker ein solches Vorhaben auch noch finanziell mit Steuer- oder Versichertengeldern fördern wollen?

Da die Problematik die Bevölkerung und das Wohl unseres Landes  betrifft, werden wir diesen Brief zusammen mit einer Pressemitteilung  nicht nur unseren Mitgliedern, sondern auch der Öffentlichkeit zur Kenntnis geben.  

Mit  freundlichen Grüßen

  

Otto Spahn

Pressesprecher

Aktionskreis Fulda, 26.04.2009