Gesetzes-Entwürfe zur Suizid-Beihilfe

Brief an Frau Birgit Kömpel MdB Parlamentsbüro Berlin

Sehr geehrte Frau Kömpel,

am 06. November 2015 wird der Deutsche Bundestag über die vier Entwürfe zur Regelung der Suizid-Beihilfe entscheiden.

 Die anstehende gesetzliche Regelung wirft eine Menge von Fragen auf, wie z.B.: Kann die Selbsttötung vom Gesetzgeber als eine Tat anerkannt werden, die die Unterstützung Dritter wert ist und die deshalb straffrei bleiben muss? Oder wird durch die Straffreiheit der Beihilfe zum Suizid gerade das Gegenteil bewirkt werden, wie wir es schon bei der Abtreibungs-Gesetzgebung erlebt haben? Obwohl die Tötung von ungeborenen Kindern in unserem Land generell verboten ist, wurden die Ausnahmezustände zur Regel und damit das ungeborene Kind absolut schutzlos.

 Wir sind in großer Sorge darüber, dass wir bei der Legalisierung der Suizid-Beihilfe die gleiche Entwicklung erleben werden.

 Die großen Denker unserer europäischen Geistesgeschichte haben sich auch mit diesen Fragen befasst und ihre Aussagen können uns Wegzeiger sein.

Der hl. Augustinus bringt es auf den Punkt und sagt: „Wer sich selbst umbringt, tötet einen Menschen".

Andere große Denker wie Kant, Hegel, Fichte, Kierkegaard und andere kommen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu dem Ergebnis, dass ein Suizid negativ zu bewerten ist.

Aber auch in unserer Zeit äußern sich Geisteswissenschaftler zu dieser Frage wie der Schriftsteller Reinhold Schneider, dessen Vater Selbstmord beging. Er schreibt: „Wer sein eigenes Leben nicht achtet, verletzt das Leben überhaupt und empört sich gegen den, der alles Leben gegeben hat" („Über den Selbstmord (1947)

Oder nehmen wir Walter Jens, der zusammen mit Hans Küng jahrelang für die aktive Sterbehilfe plädierte. Sein Sohn Tilman Jens berichtet von vielen positiven Lebensäußerungen seines an Demenz erkrankten Vaters und bekennt, dass seine Familie nichts mehr von aktiver Sterbehilfe wissen will.   (Tillmann Jens: Demenz. Abschied von meinem Vater 2010 S. 142 ff)

 Aber selbst wenn man zu einer positiven Bewertung des Suizid kommen würde, komme man nicht an der Erkenntnis vorbei, dass die Beihilfe dazu nicht legitim sein könne, weil sich der Helfer selbst über das göttliche Tötungsverbot hinwegsetze.

 Man erkennt also, dass jede Legalisierung eine „Tötungs-Lizenz" beinhalte. Dies gelte auch für den Fall, dass Suizid-Hilfe durch besonders nahestehende Personen geleistet werde, ganz abgesehen davon, dass das strafrechtliche Delikt eines „vorgezogenen Erbfalls" nicht ausgeschlossen werden könne.

 Aus gutem Grund haben Österreich, Großbritannien und Italien jede Beihilfe zum Suizid verboten. In Ländern wie Holland oder Belgien, die bereits die gezielte Beihilfe zur Tötung praktizieren, zeigt sich, dass jeder den assistierten Suizid bekommen kann, wenn er ihn will. Sehr oft sogar auch dann, wenn er ihn nicht will. Medizin-Ethiker aus diesen Ländern warnen deshalb aufgrund der gemachten Erfahrungen vor einem solchen Schritt.

 Wer Tötung auf Verlangen verhindern will, darf Beihilfe zum Suizid nicht legalisieren.

 Der Aktionskreis Fulda in der Aktion Leben, der im Raume Fulda ca. 1000 Mitglieder zählt, wendet sich daher dringend an Sie, für ein generelles strafrechtliches Verbot jeglicher Suizidbeihilfe im Deutschen Bundestag zu stimmen. Er wird diesen Brief seinen Mitgliedern und der Öffentlichkeit zur Kenntnis geben.

Aktionskreis Fulda in der Aktion Leben, Otto Spahn, Pressesprecher