Von der Feme zur Lebensrechtlerin

Obwohl wir von der Wirksamkeit des Gebetes grundsätzlich überzeugt sind, beschleicht wahrscheinlich alle Lebensrechtler mit der Zeit ein Gefühl der Mutlosigkeit, der Aussichtslosigkeit, der Verzagtheit, weil ihnen immer wieder die Realität des tagtäglichen mörderischen Tötungsgeschehens bei den ungeborenen Kindern begegnet.
 Und da flattert uns ein Tatsachenbericht ins Haus. Wir erfahren etwas über Sara Fernanda Giromin. Sie war früher unter dem Künstlernamen „Sara Winter" unterwegs - eine radikale Feministin und Gründerin von Femen Brasilien.

Sie hat jetzt mit einer öffentlichen Erklärung alle Christen um Vergebung für ihre früheren Aktionen gebeten. In einem Buch schildert sie die Missbräuche und Enttäuschungen, die sie begangen und erlitten hat, seit sie sich der feministischen Sache verschrieben hatte. Und worin liegt der Grund? Es war die vor kurzem erfolgte Geburt ihres Kindes und seitdem hat sie eine veränderte Einstellung zum Lebensrecht.


Wie es dazu kam, können Sie in dem nachstehenden Bericht lesen, der zuerst in idea Spektrum Nr. 3 vom 20.01.2016 erschienen ist.

LEBENSWANDEL                                                                               
Einst hatte sie als feministische Aktivistin Lust daran, mit Nacktprotesten die religiösen Gefühle von Christen zu verletzen. Heute bereut die Brasilianerin Sara Fernanda Giromin das zutiefst und engagiert sich in der Lebensrechtsbewegung. Wie es dazu kam, beschreibt Matthias Pankau.
Das Bild sorgte im Januar 2014 für Aufsehen in ganz Brasilien. Es wurde zum Symbolbild der Verachtung der sogenannten LSBTTIQ-Bewegung (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle, Intersexuelle, Queer) für das Christentum: Vor der Marienkirche von Candelaria in Rio de Janeiro liegen zwei halbnackte junge Frauen ineinander verschlungen auf einem Kreuz aus Pappmache und küssen sich. Auf dem Kopf tragen beide eine Dornenkrone. Eine der Frauen ist Sara Fernanda Giromin, damals noch unterwegs unter dem Künstlernamen Sara Winter. Zwei Jahre zuvor hatte Giromin die Organisation „Femen Brasilien" gegründet, einen Ableger der 2008 in der Ukraine entstandenen und heute in vielen Ländern der Welt aktiven feministischen Bewegung. Markenzeichen von „Femen': Proteste mit entblößten Brüsten. Eigenen Angaben zufolge tritt die Organisation damit für mehr Frauenrechte ein.


Ihr halfen ein Mann und Got
t
Bei wie vielen Femen-Aktionen „Sara Winter" dabei war, kann sie nicht sagen. Mit der Zeit wurde ihr jedoch immer deutlicher, dass es führenden Femen-Aktivistinnen gar nicht in erster Linie darum ging, Frauen eine Stimme zu geben, die Opfer körperlicher und sexueller Gewalt wurden, sondern vor allem um die Legalisierung von Abtreibung. Als sie selbst schwanger wurde, rieten ihr ihre feministischen Mitstreiterinnen, das Kind abzutreiben: „Sie sagten mir:, Wenn du abtreibst, wird das deinen Körper stärken. Danach wirst du mehr Erfahrung haben und wie eine echte Feministin sprechen können."' Die „Freundinnen" gaben ihr Tabletten mit abtreibender Wirkung, verschwiegen ihr jedoch die Gesundheitsrisiken. Sie bekam schwere Blutungen, versuchte telefonisch, Hilfe zu holen. Aber keine Femen-Freundin kam. Am Ende brachte sie ein Freund ins Krankenhaus: „Obwohl ich als Feministin doch Männer hassen sollte, war es ein Mann, der mir geholfen hatte - ein Mann und Gott."

 

„Frauen sind nur ein Rohstoff "

Die Abtreibung ihres ersten Kindes wurde zum Wendepunkt: „Das ist das, was ich am meisten bedauere in meinem Leben: Ich kann das Loch in meinem Herzen nicht schließen." Sie brach mit Femen. Ende vergangenen Jahres veröffentlichte die junge Frau, die inzwischen Mutter wurde, ein Büchlein. Darin schildert sie ihre Erfahrungen mit Femen: „Für die feministische Sekte sind Frauen Rohstoff im schlimmsten Sinn des Wortes. Sie sind nützliche Objekte, um den Hass gegen das Christentum, gegen Männer, gegen die Schönheit der Frau und das Gleichgewicht der Familie zu schüren. Das ist der Feminismus, und ich kann versichern, dass dem so ist, denn ich war drin!"


„Wir sind zu weit gegangen"


Christen hat sie in einer Videobotschaft über YouTube um Vergebung gebeten für ihr Verhalten in der Vergangenheit: „Wir sind zu weit gegangen und haben viele religiöse und auch nicht religiöse Menschen beleidigt." Giromin selbst wuchs katholisch auf, brach aber mit 14 Jahren mit der Kirche. Ihr größter Wunsch sei es nun, in der Kirche wieder eine Heimat zu finden. Gegenwärtig schäme sie sich aber noch zu sehr für ihre feministische Vergangenheit.

 idea Spektrum 3/2016