Presse-Mitteilung Organspende 03.05.2019

In der Diskussion um die Organspende fällt auf, dass jegliche Argumentation über die Frage, ob denn der Hirntote tatsächlich tot ist, stets sorgfältig vermieden wird.

Warum ist das so?

Zunächst gilt es festzustellen, dass das Spenden von paarigen Organen (Nieren, Augen etc.) zweifellos zu bejahen ist, weil der Mensch auch mit einem dieser Organe weiter leben kann.   Anders verhält  es sich  bei den sogenannten unpaarigen Organen ( z B. Herz), weil bei einer solchen Spende ein Weiterleben nicht möglich ist.  

Um dieser Problematik aus dem Wege zu gehen, hat man die Fiktion des Hirntods regelrecht erfunden, da die Explantation (unpaariger Organe) die Tötung des Spenders zur Folge hat. Im Jahre 1968 wurde diese neue Todes-Definition von der Harvard Universität eingeführt. Er suggeriert einen Zustand, der nicht den Tatsachen entspricht und eine bewusste Täuschung und Irreführung darstellt. Etwas spöttisch konnte daher 1994 der Spiegel berichten: „Wir haben jetzt Hirntote und Herztote, Ganztote und Teiltote...." 

Ausgerechnet im Mutterland der Hirntod-Definition -  den USA - sagen längst schon die Erfinder des Hirntod-Kriteriums,  dass die Praxis die Tötung des Spenders zur Folge hat. Dort spricht man  seit längerer Zeit von „justified killing" (zu deutsch:  „gerechtfertigter Tötung"), was die Situation natürlich nicht besser macht. Auch bei uns würde  niemand auf die Idee kommen, einen Hirntoten zur Bestattung frei zu geben.

Darüber hinaus dürfte allgemein bekannt sein, dass Hirntote noch längere Zeit biologisch leben,  ja Frauen sogar noch Kinder gebären können.

In den Medien wurde vor kurzem berichtet, dass z.B. in  der Schweiz  immer mehr Ärzte und Pflegefachkräfte  auf  Intensivstationen die Gleichsetzung des Hirntods mit dem Tod des Menschen ablehnen. Einige von ihnen haben den Verein ÄPOL (Ärzte und Pflegefachpersonen gegen Organspenden am Lebensende) gegründet mit dem Ziel des gesetzlichen Verbots der Transplantation lebenswichtiger Organe. Klar und unmissverständlich  wird von ihnen in der „Schweizerischen Ärztezeitung"  mitgeteilt, dass „Organspender zum Zeitpunkt der Organentnahme nicht tot sind. Sie sind am Sterben  und werden durch die Entnahme getötet."   Mehr dazu kann man im Internet unter www.aepol.net nachlesen. Der Verein bezeichnet sich als politisch und konfessionell  neutral und hat dazu eine Petition mit dem Ziel  des Verbots von Organentnahmen gestartet.

Heilen durch Töten: Wer kann das rechtfertigen? Es ist  schlicht nicht nachvollziehbar, wenn in der Öffentlichkeit, in Politik und Kirche, die Diskussion auf die Frage der Freiwilligkeit fokussiert wird. Ist denn alles, was freiwillig geschieht, auch  automatisch rechtens?         

In Deutschland wurde erst im Jahre 2012  in § 2 Abs. 2a des  Transplantationsgesetzes  die Bestimmung:  „Niemand kann verpflichtet werden, eine Erklärung zur Organ- und Gewebespende abzugeben" eingefügt. Die jetzt  von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geplante fragwürdige Einführung der „doppelten Widerspruchslösung" steht im Gegensatz dazu und wird daher von vielen als Betrug angesehen, weil jeder, der nicht widerspricht, automatisch zum Organspender wird.

Angesichts der Möglichkeit, dass jemand seine Meinung zur Organspende nachträglich ändern kann, ist nicht auszuschließen, versehentlich, unwissentlich  oder durch Verwaltungsfehler usw. zum ungewollten  Organ-Spender zu werden. Oder ist das sogar gewollt?   

Otto Spahn, Pressesprecher