Kreuze für das Leben

Junge Freiheit 25. Februar 2005

Spektakuläre Aktion von Abtreibungsgegnern in Baden‑Württemberg

bild_weisse_kreuze.jpgDas Thema Abtreibung umgibt in Deutschland eine hohe Schweigemauer. Parteien und Verbände meiden die Proble­matik. Einer breiten Öffentlichkeit sind die schweren gesellschaftlichen Konsequenzen massenhafter Ab­treibung offenbar nicht bewußt. Oder sie hat sich mittlerweile damit abgefunden, daß jedes Jahr eine kaum vorstellbar große Zahl von un­geborenen Kindern im Mutterleib getötet wird ‑ etwa so viele wie die Einwohnerzahl einer mittleren Stadt.

Nach realistischen Schätzungen von Experten gibt es rund 300.000 Abtreibungen pro Jahr in Deutsch­land, auch wenn davon weniger als die Hälfte beim Statistischen Bundesamt gemeldet wird. Für die Kosten der massenhaften Schwan­gerschaftsabbrüche kommt zum Großteil der deutsche Steuerzahler auf. Über 41 Millionen Euro Sub­vention für "rechtswidrige, aber straffreie Abtreibungen" (so das Bundesverfassungsgericht) zahlten die Sozialämter im vergangenen Jahr. In einer Anfang dieses Jahres verteilten

Broschüre des Bundes­familienministeriums hieß es dazu, Abtreibungen seien "im gesamtge­sellschaftlichen Interesse" und wür­den deshalb öffentlich finanziert. Erst nach Protesten von Lebens­schützern wurde die Formulierung mit Bedauern zurückgezogen.

Die Schweigemauer zu durchbre­chen gelingt" nur mit ungewöhn­lichen Aktionen, die heftige Reak­tionen provozieren. Dies geschah vor zwei Wochen in Baden‑Würt­temberg: Unbekannte zerstörten ein "Tausend‑Kreuze‑Feld" des Vereins "Durchblick e.V.", der damit auf die Zahl der durchschnittlich an jedem Werktag abgetriebenen Kinder auf­merksam machen will. Auf einem Acker neben der vielbefahrenen Bundesstraße zwischen Villingen und Schwennigen hatten Helfer des Vereins in geraden Reihen tausend weiße Holzkreuze aufgestellt. Bei der Einweihung des Feldes sprachen neben Geistlichen auch zwei Frau­en, die selbst abgetrieben hatten und seitdem an körperlichen wie seelischen Spätfolgen leiden.

Spektakuläre Aktion:
Mit diesem „Tausend-Kreuze-Feld" machten Lebensrechtler in Baden-Württemberg auf die hohe Zahl der Abtreibungen in Deutschland aufmerksam – nach wenigen Tagen hatten Abtreibungsbefürworter die Holzkreuze aus dem Boden gerissen.
Foto: Schührer

Die für eine Dauer von vier Wo­chen geplante Aktion löste in der regionalen Presse eine hitzige Di­skussion aus. Und schon in der vier­ten Nacht rissen Unbekannte alle weißen Holzkreuze aus dem Boden.

Zuvor hatten der Pächter des Fel­des, ein beliebter Stadtrat der Freien Wähler, und dessen Frau Drohanru­fe erhalten. Und der SPD‑Bürger­meister von Villingen‑Schwennin­gen wollte prüfen, ob eine rechtliche Handhabe gegen die In­stallation auf dem von der Stadt ge­pachteten Acker bestünde.

"Die Zerstörung der Kreuze war für uns eine Bestätigung, daß wir den Nerv getroffen haben", meint "Durchblick"‑ Vorsitzender Thomas Schührer. "Aber man kann hier auch sehen, mit welchen Mitteln die Apostel der Toleranz gegen miß­liebige Meinungen vorgehen."

Für den 16. Oktober plant der Bundesverband Lebensrecht (BVL) eine Großdemonstration in der Hauptstadt. Unter dem Motto" 1.000 Kreuze für das Leben" will der Verband am Sonnabend kommend Woche ab 12 Uhr auf dem Berlin Alexanderplatz ein Zeichen für einen verbesserten Lebensschutz setzen. Bei einem anschließenden "Trauermarsch" zur Hedwigskathedrale tragen die Demonstranten weiße Holzkreuze. Die Veranstalter bitten die Teilnehmer um dunkle Kleidung, um dem unfrohen Anlaß gerecht zu werden.

"Für immer mehr Kinder wird der Mutterleib zur potentiellen Todeszelle", begründet die BVL‑ Vorsitzende und Ärztin Claudia Kaminski in drastischen Worten ihr Engagement. „Da die Politik sich selbst im Angesicht der katastrophalen demographischen Entwicklung weigert, unserer seit Jahren wiederholte Forderung nach einem besseren Schutz des ungeborenen Lebens nachzukommen, wollen wir ihr nun mit einer Massendemonstration auf die Sprünge helfen." Mit dem Verweis auf die negative Bevölkerungsentwicklung spielt Kaminski auch auf die Tatsache an, daß in Deutschland mittlerweile jede vierte Schwangerschaft mit einer Abtreibung endet.

Preußische Allgemeine Zeitung Folge 41-9. Oktober 2004 Seite 2
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