Wie Kindertagesstätten eine Nation zerstören können

"Ziel ist die Erwerbstätigkeit beider Eltern" - so überschrieb eine Zeitung einen Artikel über den "rot-grünen Umbau der Familienförderung" (DT 25.3.03). Die Bundesfamilienministerin will demnach die bislang bis zu drei Jahren mögliche "Elternzeit" (früher "Erziehungsurlaub"), in der es zwar keine Lohnfortzahlung, aber einen Kündigungsschutz und ein einkommensabhängiges Erziehungsgeld (meist nur für 6 Monate) gibt, verkürzen, um so den Druck auf die Eltern zu verstärken, die Erwerbstätigkeit nur kurz zu unterbrechen und die Kinder durch Dritte betreuen und erziehen zu lassen.

Und die sog. PISA-Studie wurde in unserem Land zum Anlass genommen, die Ganztagsschule bzw. die ganztägige Betreuung von Kindern in öffentlichen Einrichtungen und Kindertagesstätten voranzutreiben. Ohne jene Fälle abzuwerten, in denen Eltern oder Alleinerziehende wirklich eine solche Betreuungshilfe für ihre Kinder nötig haben, darf doch nicht übersehen werden, dass dies nicht Teil einer positiven Entwicklung ist (z. B. durch die Flut zerbrechender Ehen mitbedingt). Von einflussreichen politischen Kräften aber werden diese Ganztageseinrichtungen gefördert, weil die beruflichen Karrieren beider Eltern vorrangige Ziele sind, während die Erziehungstätigkeit insbesondere der Mutter nach wie vor missachtet wird, geschweige denn gefördert. Der Hl. Vater sagte im November, man könne "den unersetzlichen Wert der Frau für das Familienleben nie genug hervorheben." Sie sei der "ständige Bezugspunkt für das menschliche und geistige Wachstum" des Kindes, ein kostbarer Schatz. Muss man sich wundern, wenn sich die Folgen an der jungen Generation zeigen? Zugleich wird ja beklagt, dass "die Eltern" zu wenig Interesse für die schulische und charakterliche Bildung ihrer Kinder hätten. Anderseits macht man es in geradezu totalitärer Weise verantwortungsbewussten, gläubigen Eltern überaus schwer, ihren Göttlichen Erziehungsauftrag in Einklang mit ihrer religiösen und sittlichen Überzeugung wahrzunehmen, etwa durch die Zwangsschulsexual"erziehung". Und Hand in Hand damit geht die ideologische Zerstörung der Familie durch die Akzeptanz des nichtehelichen Zusammenlebens, ja homosexueller Verbindungen.

Der folgende Bericht aus Schweden zeigt im Rückblick auf die dortige Entwicklung im 20. Jahrhundert auf, wohin dieser Trend zu ganztägiger, familienfremder Betreuung der Kinder führt. Der Autor ist Mitglied des Komitees der "Family Campaign Foundation of Sweden". (Gekürzter Abdruck mit Dank aus der Zeitschrift"HLI Info, Magazin für Leben & Familie", Am Pothstück 3, 45149 Essen; Nr. 4/2001)

»Bevor ich meine Erfahrung mit Kindertagesstätten in Schweden erzähle, möchte ich mich selbst vorstellen: Ich bin schwedischer Bürger, 47 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Töchtern im Alter von jetzt 20 und 17 Jahren. Meine Frau ist eine diplomierte Kinderpflegerin für Kindertagesstätten und war bis zur Geburt unseres ersten Kindes in ihrem Beruf tätig.

Als wir unser erstes Kind erwarteten, erklärte mir meine Frau, dass sie unser Baby nicht einer Kindertagesstätte anvertrauen wolle. Dabei ist zu bemerken, dass sie zu dieser Zeit selbst in einer solchen Tagesstätte tätig war.

Das Konzept der Kindertagesstätte wurde - ohne Rücksicht, ob die Eltern es nötig haben oder ob sie sich dafür interessieren in den 30er Jahren von Alva Myrdal entworfen. Diese Ideen hat sie zusammen mit ihrem Ehemann Gunar in einer Anzahl von Büchern beschrieben. (Beide waren später Nobelpreisträger für andere Leistungen.) Wie so viele in ihrer Generation sprachen sie oft davon, eine neue Generation von Menschen zu schaffen, die besser in eine neue Weltordnung passen". Anfang der 30er Jahre wechselten sie die Partei und wurden Mitglieder der herrschenden Partei in Schweden. Kurz danach wurde ihnen der Auftrag erteilt, Pläne für die moderne Familie" und für die Gesellschaft von morgen auszuarbeiten.

Die Myrdals hatten eine bestürzende Ansicht sowohl von der Familie als auch von der Mutter, die keiner außerhäuslichen Tätigkeit nachging und sich ganz der Erziehung ihrer Kinder widmete. In ihrem Buch Krisen in der Bevölkerungsfrage" schrieb sie: Für schwache, dumme, faule, nicht ehrgeizige oder andere weniger intelligente Individuen (hiermit sind die nicht berufstätigen Mütter gemeint, die sich zuhause um ihre Kinder kümmern, Anm. d, Red.) ist es noch möglich, weiter in der häuslichen Atmosphäre zu bleiben und ihren Weg als Hausfrauen und Dienerinnen zu gehen. Und am Ende die Prostitution, für die sie als Dienerinnen immer zur Verfügung stehen."

Der vergangene Premierminister Palmas verkündete den Tod der Hausfrau. Sein Minister Equality sagte, dass die Hausfrau ins Museum gehöre, und eine große Tageszeitung erklärte, dass Hausfrauen Verräter" seien. Nachdem man den Ruf der NurHausfrauen derart in den Schmutz gezogen hatte, war es leichter, ihnen die Rechte zu entziehen. Unzählige Frauen jeden Alters verloren ihren Stolz und ihr Selbstvertrauen und wurden von dem System eingefangen. Frauen wurden gezwungen zu arbeiten. Das ist die Wirklichkeit des schwedischen Paradieses" heute. Innerhalb von vierzig Jahren wurde diese Situation erreicht, weil keiner am Anfang wusste, wo es enden würde. Es begann mit der Gesetzgebung. Heute haben wir den Punkt erreicht, dass das Wort Familie" in den Gesetzbüchern nicht mehr existiert und durch das Wort Haushalte" ersetzt ist. Aber was heißt Haushalte, Ein Haushalt kann aus zwei zusammenlebenden Frauen oder zwei Homosexuellen, die Kinder adoptieren können, bestehen. Selbst das Grundgesetz macht keine Aussagen über Elternrechte.

Ebenfalls wurde die Einkommensteuer schrittweise so umgeändert, dass der durchschnittlichen Familie mit nur einem Einkommen die Existenzmöglichkeit genommen wurde. Wir sind in Schweden an dem Punkt angekommen, wo sich Ehepaare scheiden lassen, um weiter zusammen leben zu können. Das mag befremdlich klingen, doch das soziale System kümmert sich mehr um geschiedene Leute als um verheiratete Paare. Dadurch sind viele Paare bereit, sich auf dem Papier scheiden zu lassen, um ihre Situation zu verbessern. Dies ist auch ein Grund, warum viele Paare zunächst nicht heiraten. Wenn ein Paar nicht verheiratet ist, erhalten sie zwei Unterstützungen und von allem das Doppelte.

Die regierende Partei in Schweden veröffentlichte ein Buch, in dem das Programm für die Zukunft der Gesellschaft dargestellt ist. Das Buch trägt den Titel Die Familie der Zukunft: eine sozialistische Politik für die Familie". Dieses Buch bezeichnet Kinder unter der Überschrift Hindernisse für die Emanzipation der modernen Frau". In einem Kapitel wird gefordert, die emotionale, intellektuelle und materielle Entwicklung der Kinder in die Verantwortung des Staates zu stellen. Heute finden es junge Leute in Schweden ganz normal, die Richtlinien zu akzeptieren und so gemäß den Überzeugungen zu handeln, die ihnen durch die massive Propaganda eingetrichtert wurden und durch das Steuersystern erzwungen werden. Es stimmt traurig, mit eigenen Augen gebildete und clevere junge Eltern zu sehen, die hervorragende Fähigkeiten auf verschiedenen Gebieten haben, gleichzeitig aber einen totalen Mangel an Selbstvertrauen und Zutrauen in ihre eigenen Fähigkeiten als Eltern.

Sie mögen sich fragen: Wie konnte dies in einem so genannten freien Land passieren? Die Schöpfer des Systems haben eine clevere Verbindung eines einerseits laxen und anderseits eingrenzenden Prinzips herausgearbeitet. Die meisten Menschen haben ihr Denken auf Geld und materiellen Wettbewerb bezüglich des Kaufens von Sachen konzentriert, was sie mit, Lebensstandard" bezeichnen. Schweden ist ein Experimentierfeld des internationalen Bankwesens und der sog. Megasysteme für Bevölkerungsregistrierung und -kontrolle. Das Land ist groß, hat aber nur eine Bevölkerung von 8 Millionen, was nicht ausreicht, um New York zu füllen. Der normale Schwede ist durch eine 500 Jahre alte Tradition geformt, die von der Regierung herausgegebenen Regeln und Ordnungen, ohne viel zu fragen, zu akzeptieren. Ich habe sehr oft festgestellt, dass Leute, die Schweden besuchen oder nach Schweden immigrieren, schnell und klar die Ketten der Ereignisse sehen, die der durchschnittliche Schwede nicht erkennt, weil er seiner eigenen Meinung oder seinen Rückschlüssen nicht traut.

Vor einigen Jahren hat das schwedische Parlament eine Verordnung erlassen, die jedem Kind zwischen ein und fünf Jahren einen Platz in einer öffentlichen Kindertagesstätte garantiert. Entsprechend dem oben erwähnten politischen Programm garantiert dieses gesetzlich verankerte Recht für das Kind" jedem Kind ab dem Alter von sechs Monaten einen Platz in einer Tagesstätte. Das schwedische System ist totalitär. Zwangsläufig bleibt jedem unter diesem Steuersystem nur eine Alternative. Enorme Beiträge werden in das System der Kindertagesstätten investiert; doch diejenigen, die ihre eigenen Kinder selbst aufziehen wollen, erhalten nichts. Im Gegenteil haben sie eine größere Steuerlast zu tragen als diejenigen, die sich dem System anpassen.

Die allgemeine soziale Situation im heutigen Schweden ist in Aufruhr. In den Schulen herrscht Gewalt, Eltern und Lehrer werden bedroht und niedergeschlagen... Eine Studie des Instituts für Stressforschung in Schweden gibt bekannt, dass jedes dritte Kind, das die für 4-jährige Kinder vorgeschriebene medizinische Untersuchung durchläuft, an psychologischen Störungen leidet. Wir sprechen hier nicht von Teenagern, sondern von kleinen Kindern im Alter von vier Jahren! Wir wissen, dass in Schweden jedes Jahr 100 Kinder Selbstmord begehen... Viele dieser Kinder sind nicht älter als vier, fünf oder sechs Jahre.

Die Schulausbildung ist ein anderes Problem. Eine steigende Zahl der Kinder verlässt die Schule nach neun Jahren ohne Lese- und Schreibkenntnisse. Die Lehrer beklagen, dass sie viel Zeit darauf verwenden müssen, den Kleineren Betragen und gewöhnliche Dinge beizubringen, wie z. B. ein Hemd zuzuknöpfen, die Schuhe zuzubinden oder wie Messer und Gabel zu handhaben sind...

Die Situation ist verrückt. Ein anderes Beispiel... ist die kürzlich ergangene Gesetzesvorlage, die den Tieren auf dem Bauernhof ein Grundrecht" zubilligt... Was ist von einer Nation zu halten, die ihren Tieren bessere und mehr Rechte einräumt als ihren Menschenkindern?... Wie wird die Zukunft aussehen? Was wird z. B. passieren, wenn Kinder, die vom Standpunkt der Eltern aus betrachtet als Hindernisse aufwachsen, später die Regierungsgeschäfte der Nation übernehmen? Werden sie, die niemals mit Liebe und Gefühlen in Kontakt kamen, auf die alternde Elterngeneration herabsehen und sie als Hindernisse für die neue aktive Generation ansehen? Bereits jetzt können wir eine Neigung zu erhöhtem Egoismus und Selbstsucht feststellen bei gleichzeitig sinkendem Interesse an Liebe, Hilfsbereitschaft und der Fähigkeit, die Last anderer zu teilen...

Ich habe in diesem System viele Jahre verbracht. Meine Familie und ich, wir haben wirtschaftlich darunter gelitten und natürlich mental unter den Kampagnen, die der Staat gegen jene führte, die es als ihr menschliches Grundrecht und auch Pflicht betrachteten, für ihre eigenen Kinder selbst zu sorgen. Ich habe dieses System unter allen möglichen Gesichtspunkten untersucht und kann keinen Gewinner dabei ausmachen als diesen: Einen

modernen säkularen Staat, der seine Bürger allmählich umformt, damit sie ein totalitäres System akzeptieren. Dieser neue Bürgertyp, ohne Stolz und Selbstvertrauen und von Sozialmitteln abhängig, wagt es nicht und weiß auch nicht, wie die Situation

zu ändern ist ... Jede Gesellschaft oder Nation steht oder fällt mit dem Zustand der Familie, denn die Familie reflektiert die Lage einer Nation. Wird die Familie geschwächt oder zerstört, so wird es nicht lange dauern, bis auch das Land zerstört ist ... «


von Jan-Olaf Gustafsson  Freundeskreis Maria Goretti e.V.   Internet: http://www.freundeskreis-maria-goretti.de