Fast jeder zweite in Deutschland an Abtreibung beteiligt

Publizistin Christa Meves rechnet vorerst nicht mit Wende zu mehr Lebensschutz

In Deutschland formiert sich wenig Widerstand gegen Abtreibungen, weil inzwischen schon fast jeder zweite direkt oder indirekt an einer Abtreibung beteiligt gewesen ist. „Diese Masse muß ihre Schuld verdrängen“, sagte die Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin Christa Meves (Uelzen) in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.
Seit Anfang der 70er Jahre habe es rund acht Millionen Abtreibungen gegeben. Daran beteiligt gewesen seien nicht nur die Frauen, sondern auch die Väter der Ungeborenen sowie Angehörige der Schwangeren. Die wenigsten hätten es geschafft, die aufgeladene Schuld seelsorgerlich aufzuarbeiten. Frau Meves, die am 4. März 80 Jahre alt wird, rechnet damit, daß es den Menschen erst durch den Bevölkerungsrückgang „so sehr an den Kragen geht“, daß sie sich in der Frage des Lebensschutzes zu einer Umkehr entschließen. Daß heute 10 bis 20 Prozent der Schulabgänger für den Arbeitsprozeß nicht mehr vermittelbar sind, weil sie an seelischen Krankheiten leiden, führt die Psychotherapeutin auf das Erziehungskonzept der 68er Bewegung zurück. Besonders verhängnisvoll sei die Frühsexualisierung, die Mädchen „unwillig und unfähig“ zur Fortpflanzung gemacht habe. Mit den zunehmenden Geschlechtskrankheiten durch wechselnde Sexualpartner habe sich auch die Unfruchtbarkeit ausgebreitet. Sogar bestimmte Krebsarten wie der Gebärmutterhalskrebs seien zum Teil Folge dieses Sexualverhaltens.


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Christliche Kulturrevolution
Deutschland braucht nach Ansicht von Frau Meves eine „christliche Kulturrevolution“. Dabei müsse Erziehung aufgewertet werden. Mütter müßten die Chance bekommen, sich in den ersten Lebensjahren selbst um ihre Kinder zu kümmern. Das helfe auch gegen die Bildungskrise. „Die wenigsten wissen: Kinder, die 12 bis 18 Monate gestillt werden, sind mit zehn Jahren intellektuell den nichtgestillten Altersgenossen durchschnittlich um zwei Jahre voraus.“ Über ihre eigene Zukunft sagte Frau Meves, sie wolle sich für die „Akzeptanz der Wahrheit des Christentums“ bis zu ihrem letzten Atemzug einsetzen.

Sechs Millionen Bücher
Christa Meves hat 113 Bücher verfaßt, die in 13 Sprachen übersetzt wurden, darunter Chinesisch, Japanisch und Afrikaans. Die Gesamtauflage beträgt sechs Millionen Exemplare. In ihren ersten Publikationen sagte sie voraus, daß am Ende des 20. Jahrhunderts seelische Erkrankungen, Süchte, Kriminalität und sexueller Mißbrauch stark zunehmen werde. Inzwischen sehen zahlreiche Experten ihre Mahnungen bestätigt. Für ihr Engagement bekam sie viele Ehrungen, darunter 1984 das Bundesverdienstkreuz. Aus dem Kreis ihrer rund 6.000 Freunde ging 1995 der Verein „Verantwortung für die Familie“ hervor. Christa Meves ist seit 1978 Mitherausgeberin der Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“ (Bonn). Von 1973 bis 1984 gehörte die Publizistin der EKD-Synode an. 1987 erregte sie Aufsehen mit ihrem Übertritt zur katholischen Kirche. Ihre Begründung: Die evangelischen Kirchenleitungen hätten in wesentlichen ethischen Fragen versagt. So fehle es ihnen an einem unmißverständlichen Engagement gegen Abtreibung, Frühsexualisierung, Pornographie sowie „Irrlehren“ wie die Feministische Theologie und die Theologie der Revolution. Dagegen vertrete die katholische Kirche „einen klaren und eindeutigen biblischen Kurs“.

Evangelische Nachrichtenagentur idea